Erste Versuche im Deep Water Soloing… (oder: Family & klettern auf Mallorca – Teil II)

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mi leckst am Arsch – Vogelwild das Ganze! Die Ausgangsmotivation: Familie sitzt net blöd am Wandfuß rum, sondern tobt im Wasser, ich geh derweil zum DWS und Ihnen somit net auf den Keks mit meinen Kletterplänen. Eigentlich ja ein cooler Plan, oder?!

DWS-Versuch 1 in Porto Cristo:

Cova del Diablo“ – Sektor „White Noise Area“ – Route „White Noise“, 5+ (-)

Portocristo - Blick in die "Cova del Diablo"
Portocristo - Blick in die "Cova del Diablo"

Konnte man sich prinzipiell ja durchaus denken (außer ich natürlich), dass es sich mit nassen Griffel und Kletterpatschen nicht ganz so komfortabel in der Vertikalen herumturnen lässt, wie im trockenen Zustand. Was passiert also, wenn man sich a bisserl arrogant Routen ausschaut, die man sonst gut klettern kann (z.B. 6b)? Richtig, man fällt auf`s Maul, äh korrekterweise ins Wasser. Hört sich zunächst lässig an (Wasser ist ja bekanntlich weicher als Fels), vor Ort fand ich`s beim Check-Out der anvisierten Routen allerdings übel unspaßig: unkontrolliert von bis zu 18 Metern ins Wasser plumpsen – nein danke. Und Wasser heißt hier nicht Schwimmbad, sondern Meer. Da hat`s z.B. in Porto Cristo keine Bucht mit ruhigem Wasser, sondern die offene See mit Wind, Wellen & Brandung und dann kein Mensch weit und breit im Wasser bzw. am Fels. Ruhig Blut – erst mal was „Leichtes“ zum Aufwärmen. Dann halt in den 5+ Boulderquergang. Der sollte ja machbar sein. Hat zwar 60 Meter, aber o.k. Man konnte seitlich trocken einsteigen, um die Kante rum, in die eigentliche Route und los. Subjektiv ne sackschwere 5+! Ich hab mich richtig festgekrallt, frei nach dem Motto: „Angst essen Seele auf!“ Unfreiwilliger Abgang zur Hälfte. Next Exit: Boulder Beach (heißt wirklich so) und um die 250 Meter schwimmen. Ne fiese Strömung hab ich natürlich nicht eingerechnet. Echt schön dann wieder an Land zu sein. Nochmal rein?! Kein Mensch würde mitbekommen, wenn ich absaufe. O.k. nochmal. Diesmal mit nassen Händen und Schuhen. So richtig für`n A…. jetzt die Reibungstritte und die teilweise eigentlich gar nicht so schlechten Henkel. Wie geil wäre ein Chalkbag! Wieder Abflug, noch deutlich vor der Hälfte. Nochmals Kampf mit der Strömung. Schluss – aus – basta! Kein Bock mehr, gescheitert an ner 5+. Geil!

Ceck-Out Alpinrouten auf Cap de Formentor:

Am nächsten Tag fahren wir nachmittags an die Nordküste der Insel. Zunächst nach Cap de Formentor. Sehr geile, zerklüftete Steilküste mit winzigen Buchten. Natürlich abartig romantisch aber wichtiger: Fels ohne Ende. Die drei Sportklettergebiete dort (La Creveta – El Fumat – Xon Xanquete) kenne ich aus dem Führer. Heute ergibt sich leider keine Gelegenheit diese mal anzutesten. Dafür sehe ich durch „die Andy-Brille“ abartig geile Alpinlinien direkt aus dem Wasser (ein Boot bräuchte man halt). Die Punta de la Troneta sieht aus wie ein gigantischer Schiffsbug, auch das Cap de Catalunya und die kleine Isola Colomer: wahnsinnig steiler & geiler Fels, direkt überm Meer! Wie schwer die ca. 250m-Wände direkt über dem Meer wohl sind, ob kletterbar, Infos??? Hausaufgaben für zu hause.

DWS-Versuch 2 in Sa Calobra:

Torrent de Pareis“ – Sektor „The Mouth“ – Routen „The Little Professor“, 5+ (+), „The Mad Professor“, 6c+ (-), „Water Logged“, 6a (-)

Sa Calobra - "The Little Professor"
Sa Calobra - "The Little Professor"

Nach Formentor geht`s weiter nach Sa Calobra. Neuer Tag – neues Glück i.S. DWS. Schon die Straße runter an die Bucht: wie krass! Gott-sei-Dank ist es mittlerweile spätnachmittags und die Bade-Touris haben sich schon verzogen. Unten angekommen: abartig romantische Postkartenatmosphäre. Die Landschaft: echt geil. Noch kurz durch den Fußgängertunnel hinüber zur Mündung der Schlucht des Torrent de Pareis: eine schmale Öffnung zwischen hohen Felswänden zum Meer hin. Die DWS-Routen links und rechts der Wände habe ich aus dem Führer im Kopf. Kein Wellengang in der Bucht, ganz ruhiges Wasser, schöne Abendsonne. Welch Unterschied zu gestern. Es kraxeln ein paar Schweizer an den Felsen rechts der Mündung. Der Tätowierte unterhält die Handvoll Leute mit einem Salto rückwärts aus 18 Metern. Applaus vom Publikum. Werd ich wohl nicht machen. Badehose + Kletterschuhe an: ich muss einfach schnell rein ins schimmernde Nass! 50 m schwimmen bis zum Einstieg von „The Little Professor“, 5+. An ner Schuppe aus dem Wasser, am Querriss über nen Bauch. Mist, gleiches Problem wie gestern mit den nassen Händen: Beim Eindrehen und Durchblockieren rutschen mir bei den ersten beiden Versuchen jeweils die Griffel von den (eigentlich guten) Griffen. Beim nächsten mal klappts dann endlich. Wahnsinnig geile 60-Meter-Traverse bis zu 4 Meter hoch über der türkisblauen Bucht. Jetzt lasse ich nicht mehr los – geschafft! Noch ein paar Meter hoch auf ein kl. Podest. Kacke, ich schätze so ca. 12 Meter. Hecht scheidet aus. Nee, lieber wieder zwo Meter runter. Und springen. Cool! Ich werde übermütig und probiere den Einstieg von „The Mad Professor“, 6c+, mindestens 10 mal hartnäckig. Ohne Chance – meine Unterarme sind steinhart. Rüberschwimmen zur linken Felswand: „Water Logged“, 6a. An `ner Schuppe aus`m Wasser. Nasse Füsse, nasse Hände, abgeschmierte Griffe u. Tritte. Ich lass einfach net los! Klappt bis zur Hälfte, dann ein grandioser Platscher. Beim nächsten Versuch keine Chance mehr, ich kann mich nicht mehr festhalten. Aufgrund der grandiosen Abendstimmung probiere ich noch „Sa pose“ 6b+. Der Einstieg geht nämlich trocken von ner Treppe aus. Darauf soll man nur am Anfang nicht fallen. Klappt mit trockenen Fingern. Beim Überhang ist`s vorbei, die Arme sind erledigt. Zurück an den Strand schwimmen. Ein Bier wäre jetzt geil. Draußen in der Bucht bechern sie auf irgendeiner Yacht. Noch ein bisschen die Abendstimmung genießen…

Fazit: DWS ist geil! Es würde aber noch ein paar Tage mehr Anlauf brauchen, um nur annähernd mein eigenes Niveau ans/ins Wasser zu bringen. War heute aber wesentlich entspannter als gestern. Der Respekt vorm Wasser bleibt…

… Fortsetzung folgt!

Andy & die Mädels.

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