Fußstein Nordkante (17./18.08., V-, D+)

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Eigentlich war ja ein Hochtourenausflug in die Bernina geplant. Das Wetter versprach Stabilität. Allerdings schreckte uns die Nullgradgrenze (4800 m) in Kombination mit einem 1.-Hand-Bericht eines Kumpels von Stefan i.S. Eisverhältnisse ab. Insofern tauschten wir Bernina gegen Zillertal: mit der Fußstein Nordkante sollte es eine mehr felslastigere Tour sein.

Stefan fuhr voraus, Dieter & Andy legten erst am Freitag Nachmittag in Richtung St. Jodok ab, schließlich traf man sich um 20 Uhr auf der Geraer Hütte. Nach ein paar gemütlichen Bierchen, stellten wir fest, dass wir morgen wohl nicht allein auf der Tour sein werden. Nachdem die Hüttenwirtin ein Thermofrühstück kategorisch ablehnte (gibt`s bei uns nicht), frühstückten wir halt normal um 05.30 Uhr.

Danach ging`s los über das kurze Stück des Olpererferners in Richtung Einstiegsband der Nordkante. Nach blankem Beginn zogen wir in der firnigen Spaltenzone dann doch das Seil raus. Es staute sich an der Randkluft. Wir waren die 4. Seilschaft am Einstieg. Hinter uns nochmal drei Seilschaften. Es war ziemlich schattig und so waren wir zunächst leicht genervt von der Aussicht auf Warterei. Die erste Seilschaft – zwo Berchtesgadener Jungs – sicherten sich über`s Eis in Richtung Einstiegsband. Die zweite Seilschaft probierte es weiter rechts (steiler) und die dritte – zwei Südtiroler – zögerte noch den Berchtesgadener nachzusteigen. Das nutzen wir aus, wir gingen am laufenden Seil in die Eisquerung zum Einstiegsband. Froh war ich, dass ich kurzentschlossen doch noch mein Ultralight-Ersatzeisgerät eingepackt hatte. Es ging aber auch ohne (Stefan), wenn man seine Finger in die vorhandene „Hauenlöcher“ pfriemelt 🙂 Am Einstieg stellten wir fest, dass die Seilschaften hinter uns ne halbe Ewigkeit für dieses Blankeisstück brauchten und waren froh, nun als zweite Seilschaft in die Wand, bzw. an die Kante zu kommen.

Ich blieb die ersten Längen am scharfen Ende, danach wechselte die Führung im Mittelteil auf Stefan und am Schluss auf Dieter. Insgesamt eine entspannte Kletterei im sehr sicherungsfreundlichen und meist festen (bis auf die letzten beiden Längen) Urgestein. Die meisten Stände waren gebohrt, der Rest ist selbst abzusichern (es stecken in der Führe, sowie links und rechts einige Normalhaken von zumeist zweifelhafter Qualität). Wir haben alle Stände gefunden, lediglich im Mittelteil war die Orientierung etwas anspruchsvoller. Das Topo von bergsteigen.at passte hier auch nicht hundertprozentig. Insofern ist auf alle Fälle ein 60m-Seil empfehlenswert.

Sehr schön waren die oberen Längen, kurz vor und links der kleinen Dachkante. Glückspilz Dieter hatte hier die Ehre in der nun sonnigen Wand vorzusteigen 🙂 Wir hatten jedenfalls ne Menge Spaß an diesem alpinen Klassiker genossen am Gipfel entspannt die Aussicht auf Olperer, Möseler, Tribulaunen & Co.

Schließlich stand der Abstieg vom 3380 m hohen Gipfel über die brüchige Südwestflanke bevor. Den kurzfristig ins Auge gefassten Plan über den Olperer-Südwestgrat (V) diesen zusätzlich noch dranzuhängen und dann über dessen Nordgrat abzusteigen, verwarfen wir wieder.  Wir genossen unseren Vorsprung vor den nachfolgenden Seilschaften und machten uns nach ausgiebiger Gipfelrast an den bröseligen rot-blau-gelb gepunkteten Abstieg. Nächster Halt: 17 Uhr an der Geraer Hütte bei zwei Weizen und letzter Stopp beim Abschluss-Weizen am Gasthaus Touristenrast im Talboden, wo wir noch gemütlich mit den Berchtesgadener Jungs über die Tour & allesmögliche fachsimpelten…

… schee war`s!

Andy, Stefan & Dieter.

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