Weißkugel Nordgrat, PD+ (40°/ II am 29./ 30.06.)

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Bericht zur Besteigung der Weißkugel über den Nordgrat
(von Tom Reisinger)

"Stairway to Weißkugel"

Aufgrund der objektiven Bedingungen (noch viel Schnee und kein Durchgefrieren nachts > Lawinengefahr) wurde umdisponiert und der Plan des Anstiegs über die Weißkugel-Nordwestwand (AD/ 55°/ II) für die Teilnehmer der ausgeschriebenen Tour abgeändert. Die Tourenleiter beschlossen stattdessen den Gipfel über den objektiv sichereren Nordgrat zu besteigen. Die AG19-Jugend reiste zusätzlich „privat“ an und wollte einen Versuch in der Nordwestwand wagen.

Die sechs Teilnehmer (4 aus Augsburg, 2 aus Regensburg) der geführten Tour sollten sich am Nachmittag auf der urigen Weißkügelhütte treffen, so der Plan der Organisatoren.

Tatsächlich trafen die Jungs aus Regensburg am Parkplatz in Melag auf die vier Nordwand-Aspiranten der AG 19 aus Augsburg. Gemeinsam folgte dann ein zügiger Aufstieg zur Hütte bei stark bewölktem Himmel, kurz vor Erreichen der Hütte kam leichtes Schneetreiben auf.

In der Hütte gab es nach der Lagerzuweisung, gemütliches Beisammensein mit Tourenplanung und warten auf die drei Tourenleiter, die den Regen im Cafe im Tal ausgesessen haben.

Nach dem vorzüglichen Abendessen, dass per Aufzug in die Gaststube befördert wurde, folgte noch ein bisschen Organisatorisches von den Tourenleitern. Es wurde besprochen wer welches Material mitnimmt und wer in welche Seilschaft geht.

Nach kurzer Nachtruhe folgte um vier Uhr ein reichhaltiges Frühstück, vor der Hüttentür herrschte noch leichter Schneefall. Aufbruch von der Hütte um kurz vor fünf, der Weg führte unsere Gruppe zuerst leicht absteigend – sodann wieder bergauf – zum Rest des einst mächtigen Gletschers. Angeseilt wurde an passendem Punkt als zwei 4er und eine 5er Seilschaft.

Als nächstes begann die Spurarbeit durch den in der Woche über gefallenen Neuschnee, zuerst flach ansteigend, dann in Richtung der 1. Scharte im Nordgrat. Diese wird über eine Firnflanke mit ca 40° Neigung erstiegen.

Die Nordwand-Aspiranten bogen hier ab, wir gingen seilfrei den etwas brüchigen Grat aufwärts bis die nächste Eisflanke mit ca. 40° wartete, die am oberen Ende in leichtes Mixedgelände überging. Hier wurde entschieden, Fixseile über den Ausstieg ins felsige Gelände zu verlegen.

Darauf folgte ein leichteres, ausgesetztes Gratstück, dass unsere Gruppe mal rechts, mal links vom Grat entlang führte. Dabei konnte man herrliche Tiefblicke genießen. Es folgten noch ein paar letzte steile Meter zum Gipfel, den wir 6 Stunden nach Aufbruch erreichten. Nach der obligatorischen Gipfelrast mit Gipfelbild – aufgenommen von einer anderen Gruppe – machten wir uns an den Abstieg über den Normalweg.

Dazu wurden von den Tourenleitern nochmals zwei Fixseile installiert, die die Gruppe vom Südostgrat herunterführte. Es folgte ein endlos scheinender Abstieg über zwei Jöcher, den wir wieder gletschermäßig angeseilt in Angriff nahmen. Dazu noch die Sonne Südtirols, die auf uns herab brannte. Allerdings wurde der Abstieg im Wechsel von flachen mit steilen Teilstücken nie wirklich langweilig. Am Schluss des Gletschers verloren wir zügig an Höhenmetern.

An der Moräne angekommen, beschlossen wir, die Gletscherausrüstung im Rucksack zu verstauen. Nun ist es ja bekannt, dass unter Schutt sich oft noch Toteis befindet. Obwohl es überhaupt nicht so aussah, fanden wir auf dem fast komplett aperen Schutt-Teil doch dummerweise noch eine fiese, unter Firn und Schutt verdeckte Längsspalte… Nach dieser Schrecksekunde erreichten wir alle wohlbehalten die Hütte und trafen auf die Kollegen aus der Nordwand, die aufgrund der Bedingungen in Kombi mit den aus der Wand nicht so gut abschätzbaren Wetterverhältnissen, nach zwei Seillängen wieder raus geseilt sind.

Beim ausgiebigen Brotzeitmachen wurde das Material sortiert und das in der Hütte zurückgelassene Zeugs fand dann auch noch den Weg in den Rucksack für den Marsch ins Tal. Nach dem Abschluss-Cappuccino im Cafe „Endstation“l traten alle die Heimreise an. Müde, aber zufrieden konnte man zurückblicken auf einen gelungenen Hochtourentag.

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