Eisklettercamp 2014 im Stubaital (17.01. – 20.01.14)

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Schneewittchen und die sieben Zwerge –

Bericht vom 3. Eisklettercamp der AG19 im Stubaital vom 17. bis 20.01.14

 

Spielwiese Mixed-Gartl Ochsengarten

Ein Eismärchen versprach es nicht gerade zu werden, das diesjährige Eisklettercamp der Alpingruppe 19 im Stubaital: das Eis der Wasserfälle in den Nordalpen litt im Vorfeld des Camps bereits unter zahlreichen vernichtenden Föhneinbrüchen. Selbst in nördlichen Expositionen mit Höhenlage fand man nicht unbedingt mehr Eis, als nebenan im Eiscafe Dolomiti.

Trotzdem kam wieder ein Haufen von 23  motivierten Eiskletterern aus Reihen der AG19 und DAV-Mitgliedern verschiedenster Sektionen Süddeutschlands zusammen, die den Eisgeräten zahlreiche Meter Wasserfalleis unter die Hauen geben wollten. Denn vom Plastik der Hallen und vom Drytoolen (=Trainieren mit Eisgeräten ohne Eis) an Kunstbetonwänden oder im Wald am Holz, hatten sie so langsam genug. Trotz des milden Winters war es also höchste Zeit, los zu ziehen und brauchbares Eis zu finden.

Namhafte Eisfälle im Pinnistal (= Seitental des Stubaitals) wie z.B.  der Vorhang, die Kerze oder das Feuerzeug lagen buchstäblich am Boden, der Rest hatte ziemlich haarige Verhältnisse mit dünnem und oder morschem Eis inklusive Psychofaktor (= schlecht absicherbar). Für die ersten Tage des Camps – zum Einklettern – nicht gerade das Richtige. Die leichteren Fälle (Grawa-Eisfall/ Fallbesuner Eisfall) im Umfeld unseres Quartiers in Ranalt (Gasthof Falbesoner) machten dem Namen „Wasserfall“ alle Ehre und präsentierten sich – sehr uncool – im flüssigen Aggregatszustand.

Topo Grawa-Eisgarten von www.climbers-paradise.com

So setzten wir unsere ganze Hoffnung auf den Grawa-Eisgarten und dass Schneewittchen und die sieben Zwerge – so heißen die Eisrouten dort – uns wenn schon nicht  mit märchenhaften, so doch mit kletterbarem Eis empfangen würden. Die Eisheiligen waren uns wohl gewogen und so fanden wir an den Zwergen mehr kletterbares Eis vor, als wir erwartet hatten.

So fielen am Freitag nach einem sportklettermäßigen Zustieg von fünf Minuten mehrere Seilschaften über den 1. und 4. Eiszwerg her. Topographisch wacht das relativ breite Schneewittchen in der Mitte des Eisgartens über die von links nach rechts, vom ersten bis zum siebten Zwerg aufgereihten, schmalen Eisschläuche. Vorsichtiges Hochpickeln, inklusive bedachtsames Abseilen im Anschluss im Gegenverkehr war angesagt, um möglichst wenig Eisschlag auszulösen, das den Mitstreitern weiter unten in den Fällen um die Ohren, bzw. auf die Helme, fliegen konnte.

Beim Parkplatz stand als Dreingabe noch eine 5 Meter hohe Minisäule, die wir dem Wasserabfluss vom Dach der Lawinengalerie zu verdanken hatten. Da kann man natürlich nicht einfach so vorbei gehen, die mussten wir noch einpickeln: im Toprope konnte man so versuchen eine saubere Klettertechnik an die Säule zu bringen oder ohne Seil seine Vorstiegsmoral verbessern.

Nach dem ausführlichen Briefing für die nächsten Tage beim Abendessen nahm die weitere Abendgestaltung an der urigen Bar unserer Unterkunft so langsam an Fahrt auf.  Die große Ferienwohnung im ersten Stock avancierte zu später Stunde (und auch an den weiteren Abenden) zum IN-Treff inkl. Boulderproblemen (diverse Möbel), Bierdosenwerfen & Gitarrengeklampfe. Leider fanden das nicht unbedingt alle lustig (z.B. der Wirt) und andere nicht an Eiskletterer gewöhnte Gäste reisten tags darauf ab. Wir gelobten Besserung und an den weiteren Tagen war es ab der Geisterstunde mucksmäuschenstill.

Am Samstag blieben wir im Grawa-Eisgarten und bekletterten in verschiedenen Seilschaften die Zwerge eins, zwei, drei und vier, sowie das Schneewittchen. Nach einen erneuten Wärmeeinbruch am Sonntag tauschten die meisten ihre Eisgeräte gegen Ski und unternahmen Skitouren auf die Seeblasspitze 2.360m und auf die Innere Sommerwand bis 3.100m. Einige Wenige verzogen sich ohne wenn und aber gleich in die Sauna. Da die Verhältnisse auch am letzten Tag nicht besser wurden, verlegte man kurzentschlossen ins Kühtai in den „Ochsengarten“. Dort warteten im Sektor Mixed-Gartl mehrere eingebohrte Mixed-Routen auf forsche Vorsteiger im Fels und Eis.

Facts Eisklettercamp 2014 im Stubaital:

  • Eisklettern im Grawa-Eisgarten jeweils bis zu 4 SL & bis zur Schwierigkeit WI4-5:
    Schneewittchen/ 1. Zwerg/ 2. Zwerg/ 3. Zwerg/ 4. Zwerg
  • Mixed-Klettern im Mixed-Gartl/ Kühtai-Ochsengarten
    Diverse Routen WI5/ M6 im Vorstieg
  • Skitouren:
    Seeblasspitze 2.360m und Innere Sommerwand (bis 3.100m)

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