Steil ist geil – Skihochtouren im Ahrntal

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Andy, Rudi & Michl 04. – 07.04. + 11.04.

Ein verlängertes Wochenende zwischen Zillertaler Alpen und Hohen Tauern. Das verspricht jede Menge Tourenmöglichkeiten, auch wenn durchwachsenes Wetter und gerade nicht 1a-Traumwetter angesagt ist. Wir quartierten uns im AG19-Stammquartier Hotel Steinpent bei Markus & Co. in St. Johann ein.

Großklausen-Talschluss unter der Durreck-Nordwand

Nach später Anreise am Freitag und gemütlichen Frühstück am Samstag zogen wir ins Großklausental ein, um die Bedingungen i.d. Durreck-Nordwand zu checken. Eine steile Skitour, im unmittelbaren Wandbereich mindestens  40° steil, die teilweise in Rinnen bis über 45° aufsteilt. Oben hinaus nach dem kleinen Durreck-Kees warten im Gipfelbereich noch ein paar Mixed-Passagen inkl. einer IVer-Stelle. Guten Gewissens nur bei geringer Lawinenwarnstufe  machbar. Die hatten wir zwar, da der Aufstiegsweg aber auch der Abfahrtsweg ist, wollten wir uns das Ding mal ansehen, ob wir uns das auch abfahrtstechnisch zutrauen.

Der Großklausen-Talschluss ist gewaltig. Auch das Eis der dortigen Fälle (siehe Panico Eiskletterführer Südtirol/ Dolomiten) sah für die fortgeschrittene Jahreszeit nicht so schlecht aus. Da müss ma wieder hin, hat zumindest Andy eindeutig für sich entschieden. Nach links in das Kar unter dem Nordwandeck (P. 3053) und zum Einstieg der 45°-Rinne, die in das ehemalige untere Becken des Durreck-Keeses führt. Die Rinne wollten wir uns unbedingt noch ansehen. Wir spurten im kurzen Zick-zack hinauf, bis es so steil und eng wurde, dass Ski abschnallen und weiterstapfen zeitsparender war, als das bisherige Spitzkehren-Stakkato. Endlich war durch die Rinne das Becken auf ca. 2700 m erreicht und der Weiterweg absehbar. Bis hier war der Schnee stark durchfeuchtet. Ne klare Nacht wäre für den Gipfel nicht verkehrt. Steil isses schon. Rauf geht das. Runter wird es spannend, v.a. wenn man vom Aufstieg ausgelaugt ist und/oder keine Sicht hat. Für heute waren wir eh viel zu spät dran, also Abfahrt. O-Ton Michl: „ich bin mir noch nicht sicher, ob das a Spaß

Durreck-Gipfelaufbau über der Moserebene

wird“. Abstapfen durch die Engstelle. Diese wollte sich keiner im feuchten, schweren Schnee geben. Danach Ski an und ab durch die Mitte. Nicht ohne dieser Kaltstart im steilen, schweren Schnee. Von der Rinne bis an die Moserebene war es dann noch Genuss (siehe Video) und wir waren über den anschließenden Forstweg schnell zurück am Auto.

Ab ging`s in die Sauna, wo uns Kerzen, Hubert von Goißern aus dem Ghettoblaster und v.a. zig Weizen in einem Riesenbottich Eiswürfel empfingen. Cool, wenn der Hausherr weiß, worauf man steht 😉 So langsam entstand der Plan für den nächsten Tag: falls es ne klare Nacht mit Ausstrahlung und sichere Wetterbedingungen gibt, dann probieren wir die Durreck- Nordwand. Anderenfalls: Ausweichziel! Am Nachmittag regnet es, der Wetterbericht wird immer schlechter für Sonntag. Montag soll es wieder besser werden. Entscheidung: wir versuchen die V. Hornspitze.

Um 4 Uhr Frühstück und rauf nach Weißenbach. Wir sind (noch) die einzigen am Parkplatz. Sauwarm isses, es regnet leicht. Gute Entscheidung die Durreck-Nordwand nicht zu probieren. Abwechselnd Ski an oder Ski tragen. Vorbei an der Gögealm auf ca. 2000 m, kurz in Richtung Nevesjoch und rechts ins Trattenbachtal. Wir sind gut 2 Stunden unterwegs, als das „Katzenteam“ von hinten anrückt. Scho a bisserl deprimierend von laut quatschenden Konditionsmurmeln – komplett in der leichtesten Dynafit-Ausstattung inkl. Dress – so abgehängt zu werden, zumal wir ja auch net ganz langsam unterwegs waren. Man sieht wieder: es gibt noch viel zu tun. Während der Großteil des Teams nach links Richtung Turnerkamp-Normalwegrinne i.d. Wolken verschwindet, ziehen zwo der Kameraden – wie wir – nach rechts Richtung V. Hornspitze. Eisig wird`s, die Sicht geht so langsam gegen Null und es bläst saftig. Wir erreichen auf ca. 2800 m die Reste des Trattenbachkeeses unter dem Trattenjoch, das wir nicht zu Gesicht bekommen. Sicht gleich Null, man weiß nicht, ob`s bergauf oder bergab geht. Zur Orientierung wär es prima, wenn`s mal aufreißen würde. Weiter macht keinen Sinn, also abwarten und alles anziehen was da ist. Schließlich hören wir jemanden über`s Eis kratzen, bzw. abfahren. Sehen tun wir die beiden vom Dynafit-Team erst viel weiter unten. Die sind wohl umgedreht. Logische Entscheidung. Wir warten noch eine halbe Stunde, dann geht es auch für uns gen Tal. Hilft nichts. Die eisige Abfahrt macht Spaß, der Sumpf weiter unten weniger. Gegen Mittag sitzen wir im Sport-Cafe in Weißenbach beim obligatorischen Weizen. Auch das Katzenteam ist da. Die haben die Turnerkamp-Normalwegrinne nicht gefunden und sind ebenfalls ohne Gipfel abgefahren. Überholt ham`se uns auch auf der Abfahrt. Angehalten wird da net und auch mit dem neuesten Material über`s Gras (!) abgefahren. Scho krass die Jungs…

Gipfelpanorama vom Ahrner Kopf

Was mach ma denn am Montag?! Durreck versuchen?! Ist zu warm, falls es keine klare Nacht gibt, außerdem hat`s wohl rein gschneit. Wieder irgendwann umdrehen – dazu hat keiner Bock. Michl klinkt sich aus, er will als Abwechslung den Klettersteig (D/E) i.d. Pursteinwand (Sand in Taufers) hoch. Für Andy & Rudi ist schnell entschieden: es geht auf den Ahrner Kopf (3050 m). Wieder zur gleichen Zeit raus und hinter i.d. Talschluss bis Kasern. Ab ins Windtal und über zahlreiche Nassschneerutsche die steilen Hänge queren. Nachts hat es doch noch aufgeklart und der feuchte Schnee ist bockhart gefroren. Harscheisen an, andernfalls geht`s bei einem Ausrutscher dahin. Im welligen Gelände ab in den hintersten Talschluss. Aufgrund der günstigen Lawinensituation wählen wir das steile Kar rechts des Gipfels (in der Draufsicht) als Aufstiegsweg, das wir uns ansehen wollen, s`wär nämlich cool, da später runter zu Brettern. Eine kurze Stufe mit ca. 42° hoch, im Karboden hinter queren, dann nochmal ca. 250 Hm mit 42° hoch. Skidepot am Grat zwischen Vord. Umbaltörl und Ahrner Kopf. Unschwierig zum Gipfel: 10 Uhr – pralle Sonne, kein Wind, geile Sicht & absolute Ruhe – wir sind allein. Weiter unten kommen ein paar Skitourengänger den Normalanstieg rauf. So langsam kommt die Sonne i.d. obersten Teil unserer Abfahrtsflanke. Vielleicht firnt es ein wenig auf. Ski an und rein gerutscht. Los geht`s… wie geil… in einem Zug in den Karboden. Und die nächste Stufe. Geil. Ich werd noch zum Skitourenfan 😉 Ruck-zuck geht`s das restl. Windtal raus und in der Prastmann-Alm gibt`s um 11 Uhr was zum Spachteln und: klar Weizen. Mittlerweile dackelt das Windtal eine Ameisenstraße von Skitourengängern hoch, wo die Sonne jetzt voll rein knallt. Nicht so ganz sinnig, lieber jetzt beim Weizen sitzen…

Elektrolytezufur – s´Weißbiertrio

Am Nachmittag verabschieden sich Rudi & Michl wieder nach Augsburg. Eines steht jetzt schon fest: nächstes Jahr gibt es ne Wiederholung, vielleicht auch stabileres Wetter und dann kann das Katzenteam was erleben ;-). Ich darf noch mit den Siebtklässlern der Schneeschuhwandergruppe eines Schulskikurses zwei Tage lang auf Tour. Danach besteht noch die Chance auf ne Skitour, bevor ich Freitag Mittag in einem der drei Busse mit zurück fahren darf. Nach Kaltfrontdurchzug ist am Donnerstag ein Zwischenhoch angesagt. Leider wirkt sich das nur in den Dolomiten aus, nicht am Hauptkamm. Ausschlafen und auf Freitag hoffen.

Früh raus und mit dem ersten Bus nach Kasern. Wieder Windtal, doch diesmal den rechten Abzweig zum Lenkjöchl mit der gleichnamigen Hütte gewählt. Im Vergleich zum Montag hat es 20 cm Neuschnee. Teils eingeblasene Mulden. Kein Mensch weit und breit & keine Spur. Vorsichtig sein heißt als Alleingänger meine Devise. Zwei Stunden dauert`s die 1000 Hm bis zum Lenkjöchl, so langsam bin ich eingegangen. Hinter der Hütte die steile, abgeblasene und vereiste Flanke hoch. Zuletzt zu Fuß, bei den Spitzkehren rutsche ich immer wieder ab. Diffuse Sicht, ich laufe immer wieder in den ausgeschmolzenen Abbruch zum Rötkees.  Ab und zu reißt es auf, mist der Akku vom Foto ist leer. Ich muss Gas geben, um 14 Uhr fährt der Bus zurück. Ausgepumpt rödel ich über die Gletscherflanke zum Gipfel der Unteren Rötspitze. Die Sicht ist jetzt schlecht, zu Mittag ist wieder ein Wetterumschwung angekündigt. Ich halte mich keine drei Minuten oben auf. Felle runter, Abfahrt. Keine Spalte finden. Klappt. Die eisige Flanke vor der Hütte – nicht stürzen. Klappt auch. Die Anspannung fällt so langsam ab, der Rest der Abfahrt im Pulver macht Spaß. Wie am Montag bin ich um 11 Uhr bei der Prastmann-Alm… und um 14 Uhr sitze ich im Bus nach Augsburg 😉

Cool war`s… Andy, Michl & Rudi.

Facts:

  • Durreck-Nordwand (3132 m) bis auf 2700 m (1200 Hm)
  • V. Hornspitze  (3145 m) bis auf 2800 m (1400 Hm)
  • Ahrner Kopf 3050 m (1500 Hm)
  • Untere Rötspitze 3290 m (1700 Hm)

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