Großglockner-Nordwand Mayerlrampe (D, 70°, III+) am 04./05. Mai

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Großglockner-Nordwand im Abendlicht (in der Bildmitte die Mayerlrampe)

Nach dem Durchzug einer Kaltfront versprach der Wetterbericht ein kleines Zweitages-Schönwetterfenster am Montag und Dienstag den 05. und 06. Mai. Also hoffen, dass man an der Arbeitsstelle und auch familientechnisch kurzfristig abkömmlich ist. Los geht`s über die soeben geöffnete Großglockner-Hochalpenstraße zur Franz-Josephs-Höhe. Spät dran sind wir, am Sonntag kommen wir erst gegen 18 Uhr am Parkplatz an. Stabiles Wetter, schöne Abendstimmung, keine Wolke am Himmel, aber viel Schnee. Auch eine Spur über die Pasterze hat es.

Wir hoffen, dass die 8 Plätze im Großglockner-Biwak nicht belegt sind. Für ein hartes Biwak draußen am Gletscher in 3200 m Höhe wären wir nicht besonders gut gerüstet. Wird schon passen! Wir kommen unten schnell vorwärts in der Spur unserer Vorgänger. Oben im steilen Bereich des Glocknerkeeses ist die Spur verblasen und wir spuren die letzten 500 Höhenmeter zum Glocknerwandkamp im knietiefen Pulver. Gigantische Abendstimmung im letzten Licht der untergehenden Sonne. Absolute Stille, nur wir schnaufen und wühlen uns voran. Mittlerweile ist es dunkel und monoton ziehen wir unter dem Schein unserer Stirnlampen hinauf zur sich gegen den Nachthimmel abhebenden Biwak-Felsinsel über dem Gletscher. Als wir um ca. 21.00 Uhr dort ankommen, schlafen schon alle. Zwei weitere Seilschaften (ein Bergführer + Kunde und eine österreichisch-spanische Seilschaft) schlummern bereits in der Biwakschachtel.

Wir aber haben erst mal einen sakrischen Hunger. Kochen wir halt draußen, drin ist eh kein Platz. Also Kocher angeschmissen und alles angezogen was da ist. Tief unten funkeln die Lichter aus Heiligenblut herauf, hier oben unter dem gigantischen Sternenhimmel kochen wir Chili-Nudelsuppe und 5-Minuten-Terrinen. Auf die freuen wir uns bei -15° Celsius. So langsam wird es frisch und mancher Löffel Suppe verfehlt beim Zittern den angepeilten Weg in den Körper. Das Biwak-Innere lockt uns, die feucht-klammen -2° Celsius dort haben fast schon was Gemütliches…

Im Eis der Mayerlrampe

Um 03.30 Uhr macht die Bergführerpartie los. Die haben in Bergstiefeln geschlafen, stehen auf und stapfen ohne Frühstück los. Draußen pfeift der Wind. Schon ein bisschen ungemütlich bei den Minustemperaturen. Der Rest dreht sich deshalb nochmal um und döst weiter. Gegen 5 Uhr stehen auch die verbliebenen Langschläfer auf. Zusammen packen, Kaffee kochen, ein paar Riegel einschmeißen, Gurt und Steigeisen anziehen. Wir seilen gleich an und los geht`s zum Einstieg.

Der Bergschrund wehrt sich ein wenig und wir spüren bei mehreren Versuchen ihn zu überwinden „Luft unter den Hufen“. Schließlich hält eine schmale Firnbrücke bei vorsichtiger Überquerung und wir stapfen seilfrei die gutmütige 45°-Firnflanke hoch, die nach 200 Höhenmetern links zum Abzweig der Mayerlrampe leitet.

Endlich im Eis, in unserem Element! Wir überlegen kurz gleichzeitig am gleitenden Seil zu gehen, verwerfen den Plan aber wieder. Im unteren Teil erwartet uns sehr dünnes und sprödes Eis. In Wechselführung ziehen wir zügig hinauf, zwei Zwischensicherungen genügen pro Seillänge, das Eisschrauben setzen ist fast anstrengender als das Klettern. Über einen kleinen Rechtsschwenk erreichen wir nach einer schönen letzten Seillänge den Firnsattel der Grögerschneid. Die Sonne knallt vom wolkenlosen Himmel. Wir können uns Zeit lassen, das Wetter ist absolut stabil. Bei prima Fernsicht genießen wir Tee und weniger die Riegel. Fazit bisher: entspannte Unterarme ob der moderaten Steilheit von 70°, dafür aber sehr aufgeblasene Waden, weil es nicht senkrecht ist.

Wir mustern den nun folgenden Nordwestgrat auf Österreichs Höchsten. Sieht schneidig aus der dunkle Granit. Garniert ist er mit gleißendem Schnee der letzten Tage. Oben wurschtelt die Bergführerpartie gerade an der Schlüsselstelle. So leicht sieht das gar nicht aus! Na dann, ran an den Grat! Am gleitenden Seil geht`s los. Steilere Abschnitte sichern wir in Seilschaft. Der Grat lässt sich perfekt mit Schlingen und Keilen absichern. Auch drei Bohrhaken findet man an den Schlüsselstellen. Es flutscht und wir genießen die kurzweilige, sehr ausgesetzte aber niemals schwierige Kletterei (bis III+). Die

Österreichs höchster Punkt: Großglockner, 3798 m

Schlüsselstelle ist auf den ersten Blick abweisend, lässt sich aber prima klettern. Uwe zieht ganz locker hinauf. Wenig später stehen wir am Gipfel, auf Österreichs Höchstem, dem Großglockner (3798 m). Das Beste ist: wir haben den Gipfel für uns allein! Innehalten und Stille genießen. Kurz darauf kommt die österreichisch-spanische-Partie an. Witzige Jungs, wir freuen uns zusammen über die gelungene Tour.

Auch der Stüdlgrat hat Spuren. Wie wir später erfuhren ist Gerhard Reich von der Ausbildungsabteilung kurz vor uns über den Stüdlgrat oben gewesen. Wir haben uns leider knapp verfehlt. Das wäre was gewesen – klein ist die Welt! Augsburg rockt eben, zumindest was das Ausnutzen von Schönwetterfenstern angeht!

Über den ausgetrampelten Normalweg und das Glocknerleitl geht es runter zur Adlersruhe. So langsam merken wir die Tour in den Knochen. Wir haben ja nur noch 1000 Höhenmeter über das Hofmannskees hinunter zur Pasterze. Im knietiefen Pulver wünschen wir unsere Ski herbei, die wir zuhause gelassen haben, weil wir sie nicht durch die Wand und am Grat schleppen wollten. Ein paar hundert Höhenmeter rutschen wir zuletzt auf dem Allerwertesten ab. Jetzt nur noch die Pasterze raus hatschen und die zig Treppenstufen Gegenanstieg hoch zur Franz-Josephs-Höhe. Schließlich sind wir glücklich zurück am Auto und haben einen gscheiten Hunger und einen sauberen Durst! Gestillt und gelöscht wird auf der Rückfahrt in Zell am See. Und Pläne geschmiedet: das nächste Mal die „Aschenbrenner-Route“ vielleicht?! Die wird nicht so oft gemacht… wir kommen jedenfalls wieder!

Andy & Uwe


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