Eisklettercamp 2015 – sagenhafte Eislinien im Gadertal

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alpenblick2-2015_Eisklettercamp 2015   sagenhafte Eislinien im Gadertal_Bild 1 (1) Dem Lockruf des 4. AG19-Eisklettercamps mit Stützpunkt direkt am Grödnerjoch folgten diesmal wieder zahlreiche Eisbegeisterte aus den Reihen der AG19 und weiteren Sektionen Süddeutschlands. So waren die auf 22 Teilnehmer begrenzten Plätze bereits weit im Vorfeld ruck zuck vergeben. So langsam hat sich unser Eisklettercamp als einziges, nicht kommerzielles Event in diesem Bereich, das weder von Firmen, Bergschulen oder Tourismusverbänden veranstaltet wird, etabliert. Ein bisschen grenzwertig ist es schon, mit einer derartigen Anzahl von Pickelwütigen ein Eisklettergebiet zu bevölkern. Getreu dem Motto der AG19 waren aber alle Seilschaften immer eigenverantwortlich unterwegs, d.h. jede Seilschaft suchte sich gemäß eigener Vorliebe und Eignung die passenden Wasserfälle selbst aus. Da viele Seilschaften eingespielte Teams sind, die sich gut auf die umliegenden Möglichkeiten in den Nordwandabbrüchen des Sellastocks verteilt haben, wurden wir von anderen Eiskletterern auch nicht als eine einzige, große Gruppe wahrgenommen.

 

Diese große gemeinsame Gruppe gab es dann erst ab dem 5-Gänge-Menü am Abend, das Roswitha & ihr Team vom Rifugio Frara (www.rifugiofrara.it) für uns zauberte. Mit unserem Quartier haben wir dieses Jahr (im Gegensatz zum letzten Jahr) wieder einen Volltreffer gelandet: das Personal, wie Chef & Chefin waren super entspannt, es gab nie ein böses Wort, als das Treppenhaus während unserealpenblick2-2015_Eisklettercamp 2015   sagenhafte Eislinien im Gadertal_Bild 2 (1)s Aufenthalts zur Trockenanlage für hartgefrorene Seile umfunktioniert wurde, überall in den Zimmern scharfes Zeugs herumlag, an den Tischen im Aufenthaltsraum Eisgeräte, Steigeisen und Eisschrauben wieder angeschliffen wurden (der Alteisenhändler um die Ecke hätte sich über die vielen Eisenstaubspäne gefreut) und keiner regte sich auf, als es bis weit nach Mitternacht immer noch nicht ruhig war. Die Sauna war auch super, um durchgefrorene Kraxler wieder aufzuwärmen und man durfte auch Bier mit hinein nehmen. Und das Beste: es gab hier einfach keinen Eiskletterer, der hungrig vom Tisch aufgestanden wäre. Zu den sehr leckeren und üppigen Speisen der Ladinischen und Südtiroler Küche gab es nach Belieben immer Nachschlag. So waren die tagsüber durch Kälte und Klettern verbrauchten Kräfte rasch wieder aufgefüllt und so die Grundlage für die weitere Abendgestaltung geschaffen. Diese setzte sich dann in geselliger Weise bei Bier & Wein mit der Planung für den jeweils nächsten Tag fort.

 

Folgende Fälle unterschiedlicher Eisqualität wurden in und um Kolfuschg von uns rege beklettert:
Welle auf Welle (WI 3), Schwert des Damokles (WI 4+, inklusiv die Säulenvariante), Nur für Wenige (WI 4+), Pisciadu-Eisfall (WI 4), Lujanta (WI 4). Abgebrochen wurden die Begehungen des Exner-Couloirs (WI 4, wg. Lawinengefahr) und von Dünner Schauder (WI 5+, kein Eis in der ersten Seillänge).

 

Zwischendurch gab auch ein Genuatief seine Visitenkarte beim Camp ab, was neben 30 Zentimetern an Neuschnee zualpenblick2-2015_Eisklettercamp 2015   sagenhafte Eislinien im Gadertal_Bild 5 (1)r Folge hatte, dass die Passstraße hinunter ins Grödnertal nach Wolkenstein zwei Tage lang gesperrt wurde. Das war ein wenig ärgerlich, wollten doch ein paar Unentwegte dem sagenumwobenem Langental einen Besuch abstatten, dass doch so schöne und schwere Routen wie den Jumbo Jet (WI 5+), die Zauberflöte (WI 6, M9), Missione Impossible (WI 6), I Droc (WI 5+) u.v.m. beherbergt. Mist, was tun?! Dann weichen wir halt ins italienische Eisklettermekka Serrai di Sottoguda aus. Diese am Fuße der Marmolada gelegene Schlucht gilt als das Verdon des Eiskletterns. Zwischen den Felswänden der engen Schlucht formen sich bei einem sportklettermäßigen Zustieg jedes Jahr zahlreiche Eisfälle. Hier war von leicht bis schwer – inklusive Mixedklettereien – für jeden etwas dabei. Leider war laut den Locals das Eis aktuell so wenig, wie seit 10 Jahren nicht, weshalb einige Fälle nicht standen, bzw. nicht kletterbar waren. Wir fanden aber dennoch genug dünnes & nasses Eis für unsere Geräte.

 

In Sottoguda kletterten wir bei anspruchsvollen Bedingungen: die untere Stufe der breiten Ealpenblick2-2015_Eisklettercamp 2015   sagenhafte Eislinien im Gadertal_Bild 7 (1)iskaskade La Cattedrale (WI 4+), die Cascata delle Attraversate (WI 4), Kill Bill (WI 5+/ M6), Rugiada (WI 4/ unten ohne Eis und selbst abzusichern: M6) und noch einige gut abgesicherte, kurze Drytoolingrouten bis ca. M8. Bei gutem Eisaufbau bietet die Sottoguda-Schlucht eine Spielwiese für eine ausgefüllte Woche. So war schnell beschlossen: hierher kommen wir irgendwann wieder!

 

Auch weitere Aktivitäten wie Pistenskifahren, Ski- und Bergtouren (u.a. auf die Große Cirspitze) kamen bei denen nicht zu kurz, die irgendwann mal eine Abwechslung vom schattigen Eisklettern brauchten. Summasummarum waren es wieder super Tage im Eis. Das einzige, das nicht geklappt hat: die von Grivel versprochene Kiste mit Testmaterial kam nicht rechtzeitig an der Unterkunft an. Dafür gab`s diesmal – viel wichtiger – weder im Eis noch auf Ski Lädierte & Verletzte. Rundum sauguad war`s.

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