Mt. Damavand 5618m mit Ski

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Andi K. und Stefan W. 9-14.03.2015

 

Heuer sollte die schon lange in meinen Kopf schwirrende Idee endlich Realität werden, den höchsten Berg des Nahen Ostens mit Ski zu besteigen und die Tour mit einer Reise durch das zentrale Iran, dem Herzen Persiens zu verbinden. Als Begleitung konnte ich Andi gewinnen, der tatkräftig an der Planung und Realisierung mithalf, da wir unser Ziel ohne jegliche Hilfe durch Reiseleiter, Guides, etc. erreichen wollten.

Das Abenteuer „Reise in den Iran“ beginnt für jeden Aspiranten schon zu Hause, bei Versuch das Touristenvisum zu bekommen. Nachdem es beim zweiten Anlauf klappte und wir am 8.3 in Teheran ankamen, konnte es endlich losgehen. Der Plan, zur Akklimatisation einem Tag im direkt an die Millionenstadt angrenzendem Tochal Skigebiet und in dem dazugehörenden Hotel auf 3500m zu verbringen, ließ sich leider nicht realisieren da dieses nach dem iranischen Wochenende (Donnerstag und Freitag) noch Ruhetag hatte. Also nutzten wir die gute Wetterprognose und machten uns gleich auf den Weg in das Bergdorf Polour (2200m), wo die „Iranische Mountain Federation“ eine recht komfortable Bergsteigerunterkunft betreibt. Bereits bei Anreise konnte man die weißen Nordhänge der umliegend 4000er sehen.

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Doch leider trübte sich die Vorfreude auf eine Skitour an den umliegenden Bergen gewaltig ein, als aus den über Nacht angekündigten 10cm Neuschnee am nächsten Morgen plötzlich >40cm geworden waren und es immer noch weiter schneite. Frustriert und um nicht noch einen Tag nur dumm rum zu hocken und zu warten, beschlossen wir an der halbherzig geräumten Bergstraße entlang zu gehen. So schafften wir ganze 250 Höhenmeter auf 10km Distanz und zur Belohnung durften wir dann auch wieder „runter“ gehen… an fahren war bei der Steigung nicht zu denken. Aber was blieb uns den anderes übrig ohne Karte, Führer und bei null Sicht… ?

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Am nächsten Tag sollte es endlich Richtung Mt. Damavand gehen. Dank dem Hüttenwart und einer super netten iranischen Bergsteigerin, die übersetzen half organisierten wir ein Allradfahrzeug, das uns am frühen Morgen bei strahlendem Sonnenschein zum Ausgangspunkt auf ca. 2550m brachte. Bepackt wie zwei Lastesel machten wir uns als an den Aufstieg. Im Gepäck hatten wir die komplette Skitourenausrüstung incl. Notfallausrüstung, Essen für 3 Tage, Schlafsack und Isomatte. Auf ca. 3100m beim Camp 2 trafen wir dann auf die iranische Gruppe, welche zu Fuß unterwegs war und bis hier her gespurt hatte. Camp 2, die sogenannte „Moschee“ besteht aus 2 frei offenen Räumen die Schutz vor Wind und Schnee bieten und wurde nur wegen staatlicher Fördergelder für den Bau als Moschee getarnt.

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Da der Ort aber nicht wirklich einladend oder gemütlich war, spurten wir weiter hoch ins nächste Camp auf ca. 4250m. Wir waren ganz schön platt als wir endlich die „neue Hütte“ erreichten.

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Dieses Gebäude wird ebenfalls von der iranischen Mountain Federation betrieben und durch einen Hüttenwart, der Essen, Cola und heißes Wasser verkauft bewartet. Das Gebäude ist aber nicht beheizbar, es ist also ziemlich kalt und jeder Tropfen verschütteter Tee gefriert sofort auf dem Boden fest… entsprechend sauber ist der Betonboden im Aufenthaltsraum. Die Hütte hat zudem 2 kleine 4er Zimmer und einen großen Schlafsaal für >70 Personen mit Metallbetten, welche Bretter und eine Wolldecke als Matratze haben … gut dass wir die Isomatten dabei hatten.

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Am Folgetag starteten wir dann endlich unsere Akklimatisationstour, indem wir schon mal die Rinne Richtung Gipfel bis auf 5000m hoch spurten. Da der Mt. Damavand ein freistehender Vulkankegel ist, hätte es auch keine wirkliche Alternative als Ziel gegeben.

Ganz schön platt von der Höhe und der Anstrengung erreichten wir wieder die Hütte, wo wir eine weitere Nacht verbrachten. Es ging früh ins Bett, da am nächsten Morgen der Gipfelversuch anstand. Schlafen war jedoch nicht wirklich möglich, da das ganze Lager mit Iranischen Bergsteigern voll war, welche den Schlafsaal in eine dampfende Teeküche verwandelten.

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Zusammen mit einer 4er Gruppe aus Salzburg ging es dann um 5 Uhr im morgengrauen los. Bis etwa 5200m konnte man recht unspektakulär mit Ski aufsteigen, danach folgten weitere unglaublich, anstrengende und lange 400 Höhenmeter zu Fuß zum Gipfel.

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Schnee war insgesamt sehr wenig vorhanden und schlecht zum Abfahren. Daher waren die Anstrengungen am Gipfel noch lange nicht vorbei. Im Gipfelbereich war es stark abgeblasen und zwischen 5200- 3500m hatte es zu wenig Schnee, so dass die Steine nur von ca. 10cm Sulz bedeckt waren. In den Rinnen wo ausreichen Schnee gewesen wäre, hatte es Bruchharsch… naja aber irgendwie sind wir schon wieder runter gekommen auch wenn es nicht die erhofften 3000hm Pulverschnee waren.

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Nach einer weiteren Nacht in Polour brachten wir unsere Bergausrüstung zum Flughafen um sie dort zu deponieren und setzten unsere Reise in den Süden nach Kashan und Esfahan für eine weitere Woche fort.

Abschließend kann ich nur sagen, eine absolut empfehlenswerte Reise, zum Nachmachen dringend empfohlen! Ich würde es auch wieder ohne Guide und große Gruppe machen, weil man dabei viel besser mit den Iranern in Kontakt kommt, die durch ihre freundliche und hilfsbereite Art für mich das positivste Erlebnis waren.

 

Viele Grüße,

Stefan

 

 

 

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