Grundschartner Nordkante (Mittergrat)

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7. August 2015, Martin Käser und Stefan Weinberger

Nach einigem hin und her haben wir uns am Mittwoch Abend doch noch kurzfristig entschlossen am Donnerstag Spätnachmittag in München in Richtung Zillertal aufzubrechen. Als wir um 20:00 Uhr dann in Häusling losgingen waren die Temperaturen immer noch viel zu warm und der steile Steig zur Bodenalm schweisstreibender als wir dachten. An der Bodenalm konnte sich dann Stefan doch durchsetzen, daß wir dort übernachten und nicht wie Martin vorgeschlagen hatte, gleich noch das Restlicht zu nutzen und evtl. noch eine Stunde weiter aufzusteigen. Es waren auch die Stirnlampen von zwei Seilschaften am Einstieg der Nordkante erkennbar. Für Freitag waren Wärmegewitter am frühen Nachmittag angesagt und Martin wollte einfach früh oben und bei Anbruch des potentiellen Gewitters schon wieder ein paar hundert Höhenmeter von Gipfel weg sein.

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Also einigten wir uns auf Frühstück an der Bodenalm um 3:45 Uhr und Abmarsch um 4:00. Um 6:00 waren wir am Einstieg auf ca. 2400 Hm und haben die beiden ungarischen Seilschaften bereits in der ersten bzw. dritten Seillänge überholt. Ohne viel Rumzipfeln wurde die Schlüsselstelle genullt, wenn’s ging am gleitenden Seil geklettert, verpflegt hat sich jeder am Stand während der Sicherungsarbeit und so waren wir nach 5 Std. 20 Min. um 11:20 am Gipfel. Saugeil!!! Sogar der berühmte Walter Lackermayr hielt die im Pause/Winkler Buch „Im extremen Fels“ 1) angegebene Zeit von 5 Std. für extrem sportlich. Geht aber schon, wenn man eben nicht rumzipfelt. Mit einem Set Keile und Friends (0.75 – 2 Camelots) und einer handvoll Expressen und Schlingen kommt man gut durch. Einige Schlaghaken-Stände stecken ja auch.

kurz vor der Schlüsselstelle V+
kurz vor der Schlüsselstelle V+
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Gipfelfoto

Da sich die ersten Quellwolken mittlerweile schon etwas verdichten machen wir uns um kurz vor 12:00 schon auf den Abstieg. Der zieht sich aber dann wirklich über Gletscherschutt und Gletterschliffplatten hin bis man endlich an der Kainzenalm ca. 1500 Hm weiter unten das erste kühle Radler zischen kann. Und wenn man dort dann auch nicht ewig auf der Terrasse rumzipfelt und sich über die tauben Zehen und das Brennen in den Oberschenkeln beschwert, dann hat man vielleicht das Glück, das uns widerfahren ist: und man hält eine nette Zillertalerin an, die gerade mit ihrem VW-Bus und ihren Gästen von einem Ausflug auf die Schönhüttenalm im hintersten Sundergrund zurückkommt und uns auch noch einlädt und bis zum Auto nach Häusling bringt. Knie- und Fußsohlen-schonend! Wieder saugeil!!! Um 15:30 schon wieder am Auto nach der Grundschartner Nordkante. Das muß mit einem Kaffee im MPREIS gefeiert werden.

Grüße,

Martin & Stefan

 

1) Für Alpin-Historiker: In der ersten Ausgaben des Buches „Im Extremen Fels“ von Walter Pause und Jürgen Winkler aus dem Jahre 1970 ist die Grundschartner Nordkante gar nicht aufgeführt. Aber in der überarbeiteten Auflage von 1977 wurde die ursprüngliche Tour 48 (Feldkopfkante) durch die Grundschartner Nordkante ausgetauscht und läuft jetzt in Fachkreisen neben der Tour 46 (Fußsteinkante) als Tour 46a (Grundschartner Nordkante).

 

 

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