Kletterurlaub im Herzen der Dauphiné

Eingetragen bei: Klettertouren | 0

Ailefroide August 2015

Nachdem der Wetterbericht für den Freitag in Ailefroide noch etwas wechselhaftes Wetter gemeldet hatte, entschieden Patrick und ich uns erst nochmal im heimischen Kalk zu klettern im Donaudurchbruch. Am frühen Nachmittag brachen wir dann in Richtung Frankreich auf, übernachteten in Chur auf einem Campingplatz, um die doch längere Anreise zu entzerren.

Am Samstag erst mal verschlafen, macht nix, Supermarkt hat eh noch keiner auf. Dies sollte sich auch nicht mehr ändern, es war Schweizer Nationalfeiertag. Fürs Frühstück haben wir in Bellinzona dann doch eine offene Tankstelle gefunden. Kurz nach Überquerung der Grenze zu Italien ging der Wahnsinn mit den Mautstellen los: 7 mal Ticket lösen oder gleich am Schalter bezahlen, das zieht sich.

Über einen Pass erreicht man Frankreich, der nächste größere Talort ist auch schon Briancon. Sehr schön gelegen, drei große Burgen, mehrere Sportgeschäfte sowie ein richtig gut sortierter, großer Supermarkt. Dort wurden letzte Einkäufe getätigt, um übers Wochenende zu kommen. Ailefroide erreichten wir in ca. einer ¾ Stunde Fahrt über teils enge Bergstrassen. Die Anmeldung am Campingplatz lief problemlos, nach dem Motto: Flaggts eich einfach irgendwo hin, wo´s eich gfallt. Gesagt, getan. Wir versuchten, einen Platz zu finden, der alles bietet, Sonne, Schatten sowie kurze Wege, wohl auch um dem Regen etwas zu entgehen. Hat nicht geklappt, das Vorzelt für den Bus wurde gleich mal auf Regentauglichkeit geprüft. Kaum fertig, verzieht sich auch schon der Regen und gibt die ersten Blicke auf die umliegende Bergwelt frei.

Am Sonntag stand erstmal ausschlafen auf dem Plan gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück, die Felsen müssen erst abtrocknen. Zur Eingewöhnung kletterten wir die Spit on Cup, kurz nach Mittag standen Jörg und Krissi mit ihrem Bus auf dem Campingplatz. Zur Begrüßung gabs erst mal Kaffee, ist ja schließlich Urlaub. Am späten Nachmittag zogen wir zu viert los, um noch ein bisschen Sportklettern zu gehen. Nach einigen Routen bis 6a wurde es doch recht bald finster. Reicht für den ersten echten Urlaubstag.

Patrick in der Spit on cup zum Einklettern
Patrick in der Spit on cup zum Einklettern

Am nächsten Morgen entschieden wir vier uns, in die Chaud Biz einzusteigen. 7 nette, sehr gut gesicherte Seillängen bis 5c, wobei die ersten zwei problemlos zusammen gehängt werden können. Die 5c Längen sind entweder total plattig oder doch leicht überhängend mit Rissen, die ein Höherkommen ermöglichen. Der Abstieg erfolgte zu Fuß.

Für Dienstag war gegen Mittag Regen vorhergesagt, deswegen früh aufstehen und Sportklettern. Der einsetzende Niederschlag schuf die Möglichkeit für ein zweites, ausgiebiges Frühstück. Da der Tag noch recht jung war, stand auch für den Nachmittag Sportklettern auf den Plan, diesmal in der Schlucht „La Gorge“. Die Schwierigkeiten gingen los bei 6a, im dunkelsten, finstersten Loch von ganz Ailefroide fand sich die Route Little Fissure, die kräftige, technische Kletterei im Riss zu bieten hatte.

DSC03868
Litle Fissure, 6a
DSC03870
Geniale Kletterei

Mittwoch, erneut MSL-Tag. Diesmal die Route „Two hot Men“ mit 8 SL bis 6a, wobei auch wieder Seillängen zusammengehängt werden können. In den 5c-Längen ebenfalls elendig glatte Platten, die eine saubere Fußtechnik fordern, sowie auch leicht überhängende Risse und Verschneidungen. Die letzte SL ist 6a, cool zu Klettern, da steil und technisch. Vor dieser Länge kann abgebrochen werden. Auf den Bändern zwischendurch liefen uns immer wieder riesige Ameisen über die Füße, die standen wohl auf die berauschende Wirkung von Klettererschweißfüßen.

Donnerstag, wie die Zeit verflog, ebenfalls MSL-Tag. Die Wahl fiel auf die „Cascade blue“, 6a, 250m Lang mit neun SL. Kaltstart mit einer 35 m 5c (Platte und Überhang), dann kurz leichtes Gelände und noch 10 m bis zum 2.Stand. Die 3. SL: 30 m Platte pur, mit zwei delikaten Stellen, der Rest auch nicht leichter. Durch!!! den Wasserfall führt nun die 4.SL, 4b/A0 möglich, dort hängen kleine Seilstücke. Und wie sollte es auch anders sein, die 5.SL wartete mit Plattenkletterei bis 5c auf, vom Stand weg aber kurz überhängend. Die 6. und 7. können übers Gemüse umgangen werden, man spart sich dadurch eine plattige 4c und eine 5a Querung, diese sahen nicht einladend aus. Die letzte, nominell schwerste SL fühlte sich eher als 5c als 6a an, schön zu klettern, da auch etwas steiler. Nach uns steigen noch Italiener ein, die etwas irritiert drein schauten, als ohne Zuruf von oben unten die Partnersicherung gelöst wurde. Man muss auch nicht den ganzen Wasserfall unterhalten und schon gar nicht an jedem Stand Time to say goodbye pfeifen, gell. Vom Ausstieg brachten uns 2 mal ca. 45 m abseilen schnell in Richtung Wandfuß.

DSC03927
Krissi und ich noch am Stand vor der Wasserfallquerung, Jörg und Patrick sind schon in die nächste Seillänge gestartet.
DSC03929
Nach dem Wassefall folgen schöne, plattige Klettermeter mit wunderbaren Ausblick auf die umliegende Bergwelt.

Am Freitag waren wir getrennt unterwegs, Patrick und Jörg entschieden sich fürs Bouldern, Krissi und ich stiegen erneut in eine MSL ein: Ecrins total, 200m mit Schwierigkeiten bis 5c. Beim Zustieg sollte man vor der Brücke im Ort taleinwärts wandern, sonst kommt man nicht über den Bach. Die Tour ist nach Südwesten ausgerichtet, hat viele Stände( 2 BH), auch sind Friends verwendbar (0,4-1). Die Kletterei selbst ist abwechslungsreich und endet nach 7 SL auf dem Gipfel der kleinen Birne. Viermaliges Abseilen führt zurück zum Wandfuß, es sind mehrere Abseilpisten eingerichtet, 60m Halbseile sind sehr von Vorteil. Als Andenken kann im Bergsportgeschäft noch das T-shirt zur Tour gekauft werden.

DSC03951
Blick Richtung Hochgebirge und Glacier Blanc, Zugang zum Barre des Ecrins

Am Samstag packten wir vier unsere sieben Sachen, Sportklettern stand auf dem Programm, für Patrick und mich noch die Heimfahrt, für Jörg und Krissi die Weiterreise ans Meer.

Alles notwendige fürs Klettern. Man beachte die Felsform.
Alles notwendige fürs Klettern. Man beachte die Felsform.

Aufgesucht haben wir den Sektor 4 (Lézaroide) des Kalk- Klettergebietes Les Traverses et la Vignette. Dort findet man gut gesicherte Routen ab 5b aufwärts, sowie nach allen Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der Fels hat eine sehr spezielle, gefaltete Form und überraschte mit sehr gutem Grip. Nach einem letzten Kaffee endete der gemeinsame Urlaub in Ailfroide.

DSC03994
Abschiedsfoto vor felsiger Kulisse.

Fazit: Das Gebiet um Briancon und das Seitental mit Ailefroide hat für jeden Bergsportler ausreichend Möglichkeiten, sich auszutoben sowie das französische Flair zu geniessen. Wir kommen wieder.

Hinterlasse einen Kommentar