Eisklettertraining im Reintal

Eingetragen bei: Eisklettern | 0

19-23.12.2015: Andi, Stefan, Uwe und Thomas

Jedes Jahr stellt sich vor Weihnachten dieselbe Frage – wo liegt genügend Schnee für eine Vorweihnachtstour? Letztes Jahr konnten wir am Schweizer Alpenhauptkamm rund um den Basodino ein paar Flocken fürs Skitourengehen auftreiben, aber heuer sah es ernsthaft mau aus. Also ließen wir die Brettl im Keller, packten die Wanderschuhe und -stöcke ein und machten uns auf nach Südtirol. Unsere Eisgeräte hatten wir natürlich auch mit dabei. Unser Ziel war Rein in Taufers, wo wir uns vom Wirt der Jausenstation Angerer hatten sagen lassen, dass so manches Wässerchen im Tal gefroren sein soll. Unser Eiscrack Uwe war mit dabei und bohrte von Stuttgart aus durch die Alpen, während ich mich von Stefan und Andi in München aufsammeln ließ. Das Pustertal war erwartungsgemäß sommerlich grün, aber als wir das Reintal hinauffuhren beobachteten wir mit Freude, wie das Thermometer unter die Nullgradgrenze sank. Angekommen bei der Jausenstation Angerer standen wirklich -3 Grad auf dem Display und – soweit wir es in der Dunkelheit erahnen könnten – auch der Wasserfall hinter dem Haus. Zur Auflockerung nach der Autofahrt drückte uns Christof, unserem Gastgeber, gleich ein Zirbenschnaps in die Hand, so fühlt man sich gleich daheim! Unsere Unterkunft war eh Klasse, mit selbsterlegten Tieren und Tiroler Speck zum Frühstück, da blieben keine Wünsche offen.

 

Angerer Eisklettergarten (linker Teil)
Angerer Eisklettergarten (linker Teil)

DSC02021 Um uns an das gefrorene Element wieder zu gewöhnen, stiegen wir am Sonntag in den Eisfallklettergarten ein, dessen Zustieg nicht einmal den überzeugtesten Sportkletterer überfordert. Der Eisfall war nicht sehr massiv gewachsen, die Eisrouten standen aber gut genug und wir konnten auch ein paar Mixed-Touren auf der rechten Seite des Eisfalls klettern. Der Klettergarten ist gut eingerichtet mit einem nagelneuen Stahlseil zum Umlenken und wird auch weiterhin ausgebaut. Am Tag unserer Abreise bohrte sich Konrad Auer, der Autor des Eiskletterführer Südtirol rechts vom Eisfall durch eine neue Mixed-Route.

 

Tristenbachfall
Tristenbachfall
Jahrzahlwandfall
Jahrzahlwandfall

 

Für den Montag hatten wir den Tristenbachfall geplant, gut eine Dreiviertelstunde Zustieg von der Jausenstation. Die Woche davor war der Fall noch gut geklettert worden, und deshalb ließen wir uns von einem Post auf dem italienischen Pendant des Eiskletterstammtischs, in dem was von „löchrig“ und „unterspült“ stand, nicht von unserem Plan abhalten. Das konnte ja nicht sein, die Jungs waren sicherlich den falschen Bach hochgelaufen. Nachdem wir bei Plusgraden den schweißtreibenden Zustieg hinter uns gebracht hatten, mussten wir jedoch mit Erstaunen feststellen, dass die Verhältnisse genauso waren wie im Internet beschrieben. Wir pickelten uns durch gefrorenes Gras noch hoch zum Einstieg der zweiten Seillänge, aber die stand genauso dünn und löchrig wie die erste, sodass wir keine andere Wahl hatten als abzusteigen. Ziemlich ratlos rätselten wir, was wir mit dem angebrochenen Tag noch machen könnten und entschieden uns, erst mal in Sportklettermanier durchs Autofenster zu erkunden, wie sich die Verhältnisse talauswärts darstellten. Nachdem alles eher mager, dürftig oder kurz war, überredete uns der Stefan noch zu einem kurzen Erkundungsabstecher hoch zur Jahrzahlwand, einer relativ leichten und breiten Wand auf halber Strecke ins Tal gelegen. Wir sprinteten schnell hoch und waren freudig überrascht, dass das Eis zwar dünn war, aber kletterbar aussah. Schnell die Eisgeräte nachgeholt und los ging’s. Das Eis war trotz der milden Umgebungstemperaturen kalt und splittrig, aber gut kletterbar und auch dick genug, um ein paar Schrauben zu setzen. Am Ausstieg wurden wir mit einer stimmungsvollen Sonnenuntergangsstimmung belohnt, die zwar mehr an Gardasee im Spätsommer erinnerte als an Gebirge im Winter, die wir aber trotzdem genossen.

Reintal Jahrzahl2

Für den nächsten Tag peilten wir den Eisklassiker des Reintals an, den Ursprung, einen 170m hohen Eisfall, der am Ende des Tales liegt. Die Recherchen sowohl in der Jausenstation als auch im Internet ergaben gute Verhältnisse und so war es dann wirklich auch. Uns erwartete wunderschöne Genußkletterei in kompaktem, mit Steilstufen durchsetzten Eis im dritten und vierten Wassereisschwierigkeitsgrad. Nach einer Stärkung an der Jausenstation trat Uwe die Rückreise nach Stuttgart und der Rest einen Powernap auf dem Zimmer an. Mit einer gewissen Vorahnung, denn wie hätten wir wissen können, dass wir am Abend noch einen Hüttenwirt aus der Gegend kennenlernen würden, mit dem wir die gesamte Bergbotanik in hochprozentiger Form degustieren würden. Von Edelweiß über Krannewitt bis Zirbe war da jedes würzige Gräschen mit dabei.

 

Ursprung
Ursprung

DSC05832

Der Abreisetag von Andi, Stefan und mir war deshalb von zeitlupenhaften Bewegungen im Eisklettergarten geprägt, toprope gesichert und weit abseits der anstrengenden Mixed-Routen. Im Großen und Ganzen also eine hervorragende Vorbereitung auf das Eisklettercamp im Januar, auf das wir uns sehr freuen!

Grüße,Thomas

Hinterlasse einen Kommentar