Presanella Nordwand (AD+, 500m, bis 55°) – Eis im Vale di Sole

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27.05.2016, Martin H. und Stefan W.

Ein langes Wochenende steht vor der Tür und bis Anfang der Woche gab es noch viel Neuschnee in den Bergen, eigentlich ideale Bedingungen für Skihochtouren. Das Problem war nur, dass sich außer mir im Freundeskreis anscheinend niemand mehr für Skitouren begeistern konnte. Zu verlockend war das erste schöne warme Sommerwetter…

Jedoch erklärte sich Martin bereit, seine Schneeschuhe für eine schöne Nordwand einzupacken, wohl auch mangels Skitourenausrüstung 🙂 Als geeignetes Ziel hatten wir den Süden, konkret die Adamello- oder Brenta-Gruppe ausgewählt; mit Gardasee als Schlechtwetter-Backup.

So reihten wir uns am Donnerstagvormittag in die Blechlawine ein, die stockend über den Brenner rollte und erreichten am frühen Nachmittag Stavel, den Ausgangspunkt zum Ref. Denza. Der alte Militärweg zum Pozzi Alti, der 600hm Fußweg erspart, war zwar eng und ruppig, jedoch mit dem VW Bus noch gut fahrbar. Im Sommer, wenn die Hütte offen hat und die Gefahr von Gegenverkehr höher ist, würde ich dort aber eher nicht hochfahren wollen, denn ein Ausweichen oder gar Wenden ist nur selten möglich.

Hüttenzustieg
Hüttenzustieg

Nach kurzem, fast komplett schneefreien Zustieg erreichten wir den Winterraum des Ref. Denza. Dieser war für italienische Winterräume sogar ganz annehmlich: trockene und einigermaßen saubere Betten und Decken, sowie ein Tisch zum Kochen. Nachdem außer uns nur noch zwei junge Italiener dort waren gab es auch platzmäßig keine Probleme.

Presanella NW abends
Presanella NW abends

 

Martin beim Zustieg
Martin beim Zustieg

Nach kurzer Nacht starteten wir um 4:30 Uhr Richtung Wand. Man konnte ab der Hütte mit Ski bzw. Schneeschuhen aufsteigen und bereits wenige Höhenmeter oberhalb der Hütte war der Harschdeckel dann auch tragfähig, so dass Martin mit seinen Schneeschuhen auch flott vorankam. Dennoch die knapp 800hm Wandzustieg durch das Spaltenlabyrinth darf man nicht unterschätzen. Der Bergschrund unterhalb der Wand ließ sich mit Ski einigermaßen passabel überwinden und für Martin, der zwischenzeitlich schon auf Steigeisen umgestiegen war, holten wir kurz das Seil hervor, was sich auch als eine notwendige Maßnahme herausstellte, da der obere Teil der Schneebrücke unter seinen Füßen im Nichts verschwand 😉

im unteren Drittel
im unteren Drittel

 

oberes Drittel der Wand
oberes Drittel der Wand

Die Wand selbst ließ sich dann dank 10-20cm Firnauflage gut, wenn auch ganz schön anstrengend hoch spuren. In der gesamten Wand, mit Ausnahme eines kleinen Flecks kurz vor dem Ausstieg, hatte es auch kein Blankeis und somit eigentlich ideale Bedingungen für eine Skibefahrung. Jedoch steilt die Wand im oberen Teil ganz schön auf (gefühlt eher 60°), was mir dann doch zu steil war. Außerdem musste ich ja Martin begleiten und konnte ihn nicht allein um das ganze Massiv herum und über den Gletscher absteigen lassen J. Doch auch der Normalweg bietet schöne weite und teils steile Gletscherhänge mit zunehmend sulzig werdender Schneeauflage. Um 11 Uhr waren wir dann wieder auf dem Moränenrücken unterhalb der Nordwand und trafen dort wieder auf die beiden Italiener, die die auf der G. u. L. Weixlbaumer Route (?!) hochgestapft und abgefahren waren. Mittlerweile war es brütend heiß und der Schnee zu 30cm tiefem Sulz verwandet, was Martin ziemlich stapfen ließ. Vermutlich bekomme ich nächstes Jahr einen neuen Skitourenpartner J.

Abstieg über den Normalweg
Abstieg über den Normalweg

Aufgrund der schlechten Wettervorhersage für Sonntag kam nun doch Plan B „Alpinklettern in Arco“ und nicht Plan A2 „Canalone Neri“ zum Einsatz. Somit gab‘s am Samstag noch ein schönes Kontrastprogramm. Bei 20°C um 7 Uhr morgens starteten wir in die „Adonis“ (250m, VI, 6SL) in der San Paolo Wand. Eine sehr schöne Route und vor allem der Pendelquergang (was vorher noch keiner von uns gemacht hatte) bot interessante Seilmanöver.

Nach einer ausgiebigen Siesta und Pizza an der Plaza in Arco starteten wir dann um 16 Uhr nochmals zu „Calliope“ (250m, V+,6SL) in die mittlerweile schattige Paolo Wand.

Am Sonntag stand dann bei Regen das für das Ende der Pfingstferien zu erwartende Prozedere an: „Blechlawine bei Stopp and Go über den Brenner“ Richtung Regensburg. Trotzdem: Schön war‘s!

viele Grüße,
Stefan

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