Vertainspitze Nordwand

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Stefan und Martin 01.07-03.07.2016

Über steiles Nordwandeis zum höchsten Gipfel der Laaser Berge.

Bereits vor zwei Wochen wollten wir Stefans Überstunden mit einer zünftigen Bergtour abbauen, doch dieses Vorhaben wurde damals durch eine Schlechtwetterfront im gesamten Alpenraum verhindert. Am Wochenende um den 02. Juli 2016 war abermals für den gesamten Alpenraum eine Kaltfront angesagt. Allerdings konnte Stefan dank seiner akribischen Recherchen eine Gebirgsgruppe ausmachen, welche vom angekündigten Schlechtwetter verschont werden sollte.

So entstand also die Idee, von Sulden ausgehend, eine Nordwand im Ortlergebiet zu begehen. Da es für eine Besteigung des Ortlers selbst über die berüchtigte Nordwand nicht reichen würde, fiel die Wahl auf die ihm östlicherseits gegenüberliegende Vertainspitze (Cima Vertana, 3.545 m). Diese wartet auf ihrer Nordseite nämlich mit einem ca. 500 Meter hohen Hängegletscher auf, der im unteren Teil sehr steile Eiskletterei und im oberen Teil Gelegenheit zum klassischen Eisgehen bietet.

Zustieg zur Düsseldorfer Hütte
Zustieg zur Düsseldorfer Hütte

Nach langer Fahrt stiegen wir am Freitagabend zur Düsseldorfer Hütte (Rifugio Serristori, 2.721 m) im Zaytal auf, wo uns der nette Hüttenwirt noch einige Informationen zur Nordwand zusteckte. Nach einem Frühstück verließen wir gegen 04:30 Uhr als erste Seilschaft die Unterkunft und erreichten über Schneefelder und Gletscher bald den Wandeinstieg, wo sich Stefan zum Vorstieg der ersten und grimmig dreinschauenden Seillänge anbot. Diese verlangte dabei nicht nur gleich vom ersten Stand weg senkrechte Steileiskletterei, sondern bestand weitgehend auch aus undankbar kletterbar morschen Gletschereis. Stefan ließ sich davon aber nicht schrecken und pickelte, wühlte und schraubte sich kurzerhand souverän Stück für Stück nach oben.

Vertainspitze Nordwand
Vertainspitze Nordwand
senkrechtes crushed Eis
senkrechtes crushed Eis

In den nachfolgenden Seillängen legte sich die Steilheit der Blankeiswand zunehmend zurück, bis sie schließlich in einen Firnhang überging. Von hier an bestand die Schwierigkeit auch genau darin, denn es hatte im ganzen Gebiet noch reichlich Schnee. Also spurten wir über die eine oder andere Spalte zum Grat und schließlich zum Gipfel, wobei wir mehr als einmal bis zu den Hüften im Schnee versanken.

Rundherum hatte es sich zu diesem Zeitpunkt bereits zugezogen und so verweilten wir nicht lange, sondern stiegen über das Rosimjoch (3.288 m) und den Laaser Ferner in weiterer Spurarbeit in die Angelusscharte (3.337 m). Dort entschied sich Stefan dazu den Gipfel des Hohen Angelus (3.521 m) noch über den hier ansetzenden Grat mitzunehmen, während ich es mit reichlich Wasser in den Bergschuhen vorzog, auf direktem Weg über den alten Normalweg der Vertainspitze über Lawinenhänge zur Hütte abzusteigen.

 

Nordwand im Profil
Nordwand im Profil

Nach einer Stärkung in der Düsseldorfer Hütte stiegen wir nachmittags noch ab nach Sulden (1.860 m) und kamen dort im sehr zu empfehlenden Gasthaus Waldruhe unter, wo wir die zweite Halbzeit des EM-Viertelfinalkrimis zwischen Deutschland und Italien glücklich verschliefen.

Viele Grüße,
Martin H.

 

 

 

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