Gran Pilastro auf die Pala di San Martino

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Gunther Langes, Erwin Merlet, 24. Juli 1920, Schwierigkeitsgrad: IV

Bericht von Martin Käser und Tobias Eitelbuss vom 9. Juli 2016

Topo
Gran Pilastro, Pala di San Martino

Da das Pala-Wetter für seinen Nebel durch die durchziehenden Wolkenfelder bekannt ist, und auch die Regen- bzw. Gewitterneigung während der ersten Tage unseres Dolomiten-Klettercamps relativ hoch war, mussten wir uns erst einmal ein paar Tage in kürzeren Routen mit den örtlichen Bedingungen vertraut machen. Aber für Samstag war das Wetter dann sehr stabil vorhergesagt und Tobias und ich fühlten uns den Anforderungen des Gran Pilastro gewachsen. Wir hatten den gleichen Drang, diese Linie durchzusteigen und vertrauten uns und unseren alpinen Fähigkeiten, obwohl wir uns ja erst zwei Tage vorher kennengelernt hatten.

Martin & Tobias
Martin & Tobias

Aber ein gewisser Respekt vor einer der bekanntesten Linien von Gunther Langes in der Pala ließ sich nicht leugnen, sodass die wir um 4:30 von der Rosetta-Hütte loszogen, und wie geplant um 5:30 bei genügend Tageslicht am Einstieg standen. Durch das dürftige Steh-Frühstück im Vorraum der Hütte und den zügigen Zustieg über die vielen Serpentinen im Stirnlampenschein hinunter zum Einstieg wurde mir fast schwindlig.

Aber der Einstieg ließ sich recht eindeutig finden und auch der erste Stand auf dem Vorbausockel war schnell gefunden, sodass das Selbstvertrauen gleich wieder gefestigt war. Abwechselnd stiegen wir Seillänge um Seillänge höher, glichen an den Standplätzen unsere zwei unterschiedlichen Topos1,2 ab, berieten uns kurz über den weiteren Verlauf und gewannen schnell an Höhe. Die Serie an Kaminseillängen war noch etwas feucht und nicht immer so, wie man sich eine elegante Kletterlinie vorstellt, sodass wir froh waren, als wir die nasskalte Atmosphäre endlich hinter uns hatten. Danach war die Kletterei wirklich grandios und erforderte vor allem auf der stumpfen Pfeilerkante viel alpinistischen Spürsinn. Aber unser Gefühl leitete uns gut und wir fanden die Standplätze, die sich oft nur durch einen Schlaghaken an einer Stelle verrieten, den wir nach Interpretation der Topos für den richtigen hielten. Die Stände ließen sich auch ohne große Probleme mit Schlingen, Keilen und Friends perfekt zusätzlich absichern. Zwischenhaken fanden sich eher spärlich, was aber in dem Schwierigkeitsgrad in den Dolomiten zu erwarten war. Um 11:30 waren wir auf dem Pfeilerkopf angekommen und konnten die Seile einpacken. Vor lauter Klettern und Wegfindung haben wir allerdings nicht viel ans Fotografieren gedacht. Hin und wieder hörten wir Stimmen, waren uns aber bis zum Schluss nicht sicher, ob da doch noch jemand hinter uns in der Tour war. Am Pfeilerkopf stellte sich allerdings heraus, dass es zwei Seilschaften in der gewaltigen Nordwand der Cima Immink waren. Nach weiteren gut 20 min waren wir an der nagelneuen Biwakschachtel auf dem Gipfel, auf die der Wirt der Rosetta-Hütte sehr stolz war, weil er den Innenausbau selbst gezimmert hat.

Biwakschachtel
Biwakschachtel

 

Nach einer Riegel-Pause mit immer noch fast wolkenlosem Rundblick über die Dolomiten machen wir uns Punkt 13:00 Uhr auf den berüchtigten Abstieg, bei dem die fünf (im Aufstiegssinne nummerierten)Türme des Nordostgrates der Pala di San Martino umgangen werden müssen. Zuerst noch sehr gut markiert geht es über Schotter in Richtung der Scharte zum fünften Turm. Da wir das Gelände schon richtig steil und ins Kar geht wirklich sehr weit runter. Die (schlecht) eingebohrte Abseilstelle nach dem vierten Turm finden wir eher durch Zufall. Rumsuchen in dem Gelände macht nicht wirklich viel Spaß und erfordert schon einiges an Konzentration. Ab der Scharte zwischen viertem und fünftem Turm findet sich der Weg dann relativ einfach (bei schlechter Sicht aber wahrscheinlich deutlich schwieriger!), ist auch hin und wieder mit einem Bohrhaken versehen, bleibt aber trotzdem ausgesetzt und anspruchsvoll und daher auf keinen Fall zu unterschätzen. Ich war dann dafür, dass wir am Seil gehen und sichern, auch wenn’s etwas mehr Zeit kostet (aber davon hatten wir ja noch viel!) und ein Sturz immer noch in ein riesiges Pendel ausarten würde, da ja nur gequert wird. Aber vielleicht doch besser als ein Totalabsturz ins Kar ein paar hundert Meter tiefer. Am letzten Turm wird’s dann deutlich leichter. Wir packen das Seil wieder ein, steigen noch kurz aus der letzten Scharte auf die Pala Hochebene, die einer Mondlandschaft gleicht, und sehen die Rosetta-Hütte schon, zu der man quasi stangen-grade absteigen kann. Bei Nebel will man da aber auch nicht rumirren, wenn man das Ziel nicht klar in der Ferne vor Augen hat.

 

Um 15:30 sind wir wieder an der Rosetta-Hütte und treffen da sogar ein paar Minuten vor Kilian und Doro ein, die ebenfalls erfolgreich vom der Scalet-Route am Nuvolo zurückkehren.

Alles in allem, ein geniale Route für alpine Abenteuer-Kletterer, den wir alle hochzufrieden auf der Terrasse mit einem Cappuccino (wie ihn ja nur die Deutschen nachmittags trinken!!!) ausklingen lassen.

 

Führerliteratur aus denen die Topos verwendet wurden:

1 IV Grado, Dolomiti Occidentali 2, Emiliano Zorzi

2 Dolomiti & dintorni, Roberto Iacopelli

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