Speed-Begehung auf den Fuji (3776 m)

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Da ich vom 26. bis 30. September geschäftlich nach Japan musste, um den Leuten, die dort in regelmäßigen Abständen von Erdbeben- und Tsunami-Katastrophen heimgesucht werden, was zu unserer Einschätzung des dortigen Erdbebenrisikos zu erzählen, habe ich mir den Luxus gegönnt, noch einen Tag an die Dienstreise dranzuhängen.

Der Zeitplan lies daher nicht viel Luft für langsames Gehen oder schlechte Logistik. Bis Freitag abends 18:00 Uhr war ich noch in Anzug und Krawatte bei Kundengesprächen, um dann zurück zu Hotel zu hetzen, Bergklamotten anzuziehen, auszuchecken und in der  wahnsinnigen rush-hour Tokyos per U-Bahn noch rechtzeitig zur Shinjuku-Station zu gelangen, wo die Express-Highway Busse nach Süden fahren. An diesem Umschlagplatz, wo Millionen von Menschen täglich in tausende von U-Bahnen, Zügen, Bussen und Taxis steigen, möchte man kaum wahrhaben, dass sich in nicht allzu weiter Ferne der 36 Millionen-Metropole der höchste Punkt Japans befindet. Nach dem ich mich aber schließlich durch die Massen und unlesbaren Wegweiser gekämpft habe, stieg ich um 19:15 tatsächlich in den richtigen Bus nach Kawaguchiko, wo ich nach gut zwei Stunden Fahrt endlich auch der dichtbebauten Betonwüste im Grünen ankam. Das Kawaguchiko-Station Inn direkt gegenüber der Bushaltestelle ist zu empfehlen und mit 50€ die Nacht für japanische Verhältnisse sehr günstig.
Leider fahren ab Anfang/Mitte September kaum noch Busse von Kawaguchiko (ca. 830m) hinauf zum fast 30 km entfernten, letzten Parkplatz, der Fuji Subaru Line 5th Station (ca. 2300 m). Der nächste Bus wäre erst um 8:50 Uhr am Samstag Morgen losgefahren, und um 9:45 Uhr dort oben angekommen. Das war mir zu knapp, denn um 16:20 Uhr fuhr der letzte Bus von dort wieder herunter nach Kawaguchiko. Und dort musste ich auf jeden Fall meinen Express-Highway Bus um 19:15 kriegen, der mich dann nachts zurück nach Tokyo bringt, wo ich am Sonntag Morgen meinen Rückflug nach München hatte.
Also bestellte ich mir ein Taxi für Samstag früh um 4:30, damit ich um 5:30 bei Anbruch der Dämmerung auf 2300 m loslegen kann (Kosten: schlappe 130€, aber man gönnt sich ja sonst nix! Und wenn man schon mal da ist, …).

Die Aufstiegszeit über den Yoshida-Trail ist im Internet mit 5-6 Stunden angegeben und 3 Stunden für den Abstieg. Das halte ich für die knapp 1500 Hm etwas übertrieben, und so hoch ist der Berg ja nun auch nicht. Und technische Schwierigkeiten weist er ja auch nicht auf. Problem war jetzt nur noch, dass das Wetter morgens um 5:30 ziemlich schlecht war, d.h. starker Wind und Nieselregen. Der Taxi-Fahrer rät mir vermutlich ab, aber ich verstehe ihn leider nicht, ziehe mir die Regenjacke noch auf dem Rücksitz an und gehe los. Ohne Anhalten marschiere ich recht zügig bei immer wieder mehr oder weniger starkem Wind und Regen in 2:20 bis zum Kraterrand bei selten mehr als 50m Sichtweite.

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Blöd, dass der höchste Punkt des Kraterrandes genau gegenüber liegt, d.h. nochmal knapp 20 min bei nun wirklich krassem Wind über den Kraterrand zum Gipfel, wo ich teilweise echt fast auf allen Vieren gehe, um nicht von den Böen in den Krater geblasen zu werden. Wie tief es da eigentlich rein geht sehe ich leider aufgrund der schlechten Sicht mit Nebelschwaden und Regen gar nicht. Am Gipfel schlage ich nur kurz an die metallene Gipfelsäule an, hau ein SNICKERS rein und mach mich wieder auf den Abstieg. Kein Sau da, und das, obwohl angeblich in den Sommermonaten bei gutem Wetter bis zu 8000 Leute am Tag auf dem Gipfel sind! Wahnsinn. Aber ist halt auch richtiges Scheißwetter!

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Der Abstieg verläuft unspektakulär und man kann oft im weichen Vulkanschutt über längere Strecken „abfahren“, sodass ich nach knapp zwei Stunden, d.h. um Punkt 10:00 Uhr wieder am Parkplatz bin, gerade als der erste Bus ankommt. Mittlerweile ist das Wetter ganz brauchbar und es kommt sogar die Sonne raus. Egal, ich war oben auf dem Fuji, der in der japanischen Kultur so einen hohen Stellenwert hat und sogar seit 2013 zum Weltkulturerbe zählt. Schade eigentlich, dass ich so wenig davon gesehen hab.
Dafür kann ich mich jetzt aber entspannt auf den Rückweg machen und auf dem Rückflug in der Business-Class mal so richtig entspannen und einen drauf heben. Und dann hat sich der Fuji doch noch mal gezeigt.

3viele Grüße,

Martin

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