Japan –Land des falschen Lächelns

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05-15.03.2017 Christian, Andi, Stefan

Regel Nr. 1: „es gibt für alles Regeln“

Regel Nr. 2: „negative Dinge oder Verbote spricht man nicht direkt aus“

Regel Nr. 3: „Man hält sich an die Regeln“

Regel Nr. 4: „Damit sich auch die doofen Touristen an die Regeln halten besser immer einen Aufpasser positionieren“

Regel Nr. 5: „ Immer lächeln und freundlich sein“

Regel Nr. 6: „Japaner sind auch nur Asiaten und wollen auch Geld verdienen“

Hört sich jetzt recht negativ an, so schlimm ist es aber nicht. Ich bin nur frustriert dass wir es nicht bis auf den Gipfel des Mt. Fuji geschafft haben.

Aber nun der Reihe nach. Die Idee einmal um die halbe Welt nach Japan zu fliegen nur um auf einen 3776m hohen Vulkan zu steigen, der im Sommer von 2000 Wanderern pro Tag bestiegen wird, stammt von Christian. Als Pilot ist er unzählige mal nach Tokio geflogen und hatte bei der Landung immer den Berg im Auge. Da er aber keine Lust hatte sich in die sommerliche Karawane einzureihen, holte er sich für eine Winterbesteigung mit Tourenski Unterstützung bei Andi. Naja und ich durfte halt auch mit, war schließlich als einziger noch nie in Japan und wollte mir den vergünstigten Flug nicht entgehen lassen.

Der Mt. Fuji, ist für die Japaner ein heiliger Berg. Er liegt gut 1,5 Autostunden von Tokyo entfernt und ist bei gutem Wetter auch bereits von der Stadt aus sichtbar. Durch seine exponierte Lage auf der japanischen Hauptinsel Honshu ist er sehr windexponiert, bietet aber ansonsten eine perfekte fast 2000m hohe Schneeflanken mit 35-40° Neigung oberhalb der Waldgrenze.

Offiziell kann der Berg aber nur in den Sommermonaten bestiegen werden. In dieser Zeit haben 4 Zufahrtsstraßen und unzählige Hütten bis hinauf auf den Berggipfel geöffnet. Wirklich verboten ist eine Besteigung im Winter nicht, aber erwünscht scheint es auch nicht zu sein. Man findet auch erstaunlich wenige Beschreibungen zu Winterbegehungen im Internet, obwohl eine Sommerbesteigung anscheinend ohne größere Probleme möglich ist.

Die „Subaru Line“ ist laut Homepage der Nationalparkverwaltung die einzige im Winter für Besucher geöffnete Straße und angeblich nur nach heftigen Schneefällen geschlossen. Unser Plan war eben diese Zufahrtsstraße zu nutzen, mit dem Auto bis zur „5th Station“ auf 2300m hoch zu fahren um von dort aus mit Ski auf den Gipfel zu steigen. So standen wir bei bestem Wettern und super Frühjahrsbedingungen um 7 Uhr an der Mautstation und warteten darauf hindurch fahren zu dürfen.

Mautstation Subaru Line

Um 8 Uhr tauchte dann der erste Jedi Ritter (Bediensteter mit Warnweste und Leuchtstab) auf: Öffnung der Straße ab 9:00 Uhr… Nach mehrmaligen Nachfragen ob wir denn nicht schon früher hochfahren dürfen, weil wir auf den Gipfel hoch wollen, teilte er uns in gebrochenem Englisch mit „only 1th Station“. Das saß, der Tag war gelaufen. Von der 1th Station sind es noch 18km bis zu unserem eigentlichem Startpunkt der 5th Station. Nachdem wir dem Jedi Ritter aber nicht ganz glauben wollten, fuhren wir also um Punkt 9:00 Uhr gefolgt von 5 Bussen voller Asiaten und um 6 € ärmer zu der 1th Station hoch. Nur um festzustellen, daß diese sich eigentlich nicht von der Mautstation unterscheidet. Der Parkplatz ist einfach nur 200m höher gelegen und 3 km näher am Berg… unabhängig davon bewachten 3 weitere Jedi Ritter die Absperrung, damit auch wirklich keiner auf der völlig schneefreien Straße weiter Richtung Berg gehen oder fahren kann. Als Ausgangspunkt für eine Besteigung war dieser Ort somit schon mal nicht geeignet.

Den Rest des Tages verbrachten wir dann damit, um den Berg herum zu fahren und immer wieder schmerzhaft zu erfahren, dass die anderen Zufahrtsstraßen uns auch nicht näher an einen geeigneten Starpunkt heran brachten. Diese waren alle gleich an der ersten Abzweigung von der Hauptstraße weg dermaßen verbarrikadiert, dass es definitiv mit dem Auto keinen Weg hindurch gibt.

 

Absperrung am Gotemba-Trail
Absperrung am Fujinomiya Trail(wurde auch grad erneuert:)
Und noch mal eine Absperrung (Subashiri Trail)

 

Nachdem auch dieser Plan gescheitert war, fragten und nervten wir die Jedi Ritter noch so lange ob die Straße nicht doch morgen öffne, bis nicht nur ihr Leuchtschwert sondern auch ihr Kopf hellrot leuchtete. Schließlich meinte dann einer, dass die Straßen normal nie vor dem 19. April geöffnet werden.

Auf der Suche nach dem besten Ausgangspunkt, fanden wir schließlich einen eher holprigen Waldweg unweit der Mautstation der Subaru Line, welcher uns zum Startpunkt des Yoshida Trails führte.

Zufahrt zum Yoshida Trail
Christian am Eingang des Yoshida Trail

 

Von da aus starteten wir schließlich noch eine erste Erkundungs- und Akklimatisationstour entlang der alten, zerfallenen Hütten des Yoshida Trails und erreichten nach 2,5 Stunden und 1200 hm Fußmarsch den ursprüngliche geplanten Ausgangspunkt in der Nähe der 5th Station – Subaru Line. An ein biwakieren ohne Zelt und Ausrüstung war nicht zu denken. Also beschlossen wir Ski, Lawinenausrüstung und allen nicht unbedingt benötigte Balast hier zu deponieren um am nächsten Tag mit leichtem Gepäck wieder von ganz unten einen Gipfelversuch zu starten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesagt getan, um 9:00 Uhr am nächsten Tag standen wir wieder hier. Nach kurzer Pause (für eine längere Pause war es zu ungemütlich – zumindest mich hatte es vermutlich wegen des Jetlags die ganze Zeit in Japan schon stark gefroren) ging es weiter Richtung Gipfel.

Christian kurz nach der 6th Station

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fuji ist eigentlich ein super Skitourenberg, von ca. 2500m zieht bis zum Gipfel auf 3770m eine durchgehende, riesige Schneerinne hoch. Diese war unten bei ca. 35° Neigung und windgepresstem Schnee mit Harscheisen super zu gehen, doch je höher wir kamen umso steiler und eingeblasener wurde sie.

Schneerinne

 

6th Station (glaub ich zumindestens)

 

Leider verpassten wir den Punkt, die Rinne nach links zu verlassen um auf dem Grat weiter zu gehen und standen letztendlich auf ca. 3400m vor einem, von unten nicht zu erkennendem steilerem Aufschwung mit etwa 40° Neigung und reichlich frisch eingewehten, grieseligem Triebschnee. Nach einigem Überlegen beschlossen wir schweren Herzens, dass es keinen Sinn mehr macht wieder 100hm abzufahren um sicher auf den felsigen Grat ausweichen zu können, weil wir von dem langen Anstieg und zurückgelegten 2000hm einfach keine Reserven mehr für den Gipfel hatten und zeitlich ebenfalls schon zu nahe an unserem Limit waren. Egal die folgenden 1500hm Abfahrten machten richtig Spaß! Die darauf folgenden 600hm Skitragen durch den Wald weniger.

 

 

 

Schön wars auch ohne Gipfelerfolg!

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