Piz Badile Nordkante

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Piz Badile Nordkante Totale

14. – 16. Juli 2017, Stefan und Martin:

Endlich mal wieder ein großer Klassiker, der zwar nicht gleich in Walter Pause’s Alpinisten-Bibel „Im extremen Fels“, aber immerhin „Im schweren Fels“ zu finden ist. Zudem findet man die Tour auch noch in seinen „100 Genussklettereien in den Alpen“.

Also brachen Stefan und Martin am 14.Juli ins Bergell auf und kamen nach ewig langer Fahrt so gegen 16:00 Uhr endlich am Parkplatz oberhalb von Bondo an. Also, wenn alle, die hier geparkt haben, morgen in der Kante sind, dann viel Spaß!!! Die Sasc Furä-Hütte ist an diesem Abend voll und laut Hüttenbuch sind auch schon 10-15 Seilschaften für dir Nordkante eingetragen. Ein paar weichen zum Glück in die Cassin-Route in der Nordost-Wand aus. Was mach‘ mer morgen früh? In de Pulk einreihen, oder „losstressen“? Klar, „losstressen“!. Um 4:00 Uhr gibt’s offiziell Frühstück, aber wir wollen schon um 3:45 aufstehen. Den Plan haben natürlich auch fast alle anderen. Aber nach schnellem Frühstück sind wir um 4:05 Uhr unterwegs. Ein paar sind tatsächlich schon vor uns los oder haben überhalb der Hütte biwakiert. Zwei Stirnlampen sind sogar schon auf halber Höhe der Kante zu sehen.

Am Einstieg um kurz nach 5:00 liefern wir uns noch ein kleines Rennen mit einer Münchner und einer italienischen Seilschaft. Die Münchner lassen wir hinter uns, die Italiener lassen wir dann nach drei Seillängen doch ziehen, weil sie viel am gleitenden Seil gehen. Ab da haben wir die Route quasi für uns. Nur im oberen Teil überholt uns noch ein Bergführer mit Kunde wieder am gleitenden Seil. Der Rest des Pulks wuselt sich weit unter uns die Kante entlang.

Am Stand vor der Rechtsquerung weit oben
An der Kante

 

Viel Reibungskletterei auf Platten links der Kante

 

Kalt und windig war’s von Anfang an, aber je höher wir kommen, desto windiger und gefühlt auch kälter wird’s. Teilweise spürt man seine Hände kaum noch und der Wind bringt einen an den Stellen, wo der Grat wirklich scharf ist, aus dem Gleichgewicht. Aber es gibt genügend gebohrte Standplätze und Zwischensicherungen, wo es Sinn macht. Wir gönnen uns keine Pausen und schauen, dass wir in Bewegung bleiben, kommen daher auch gut voran und sind nach 6 Stunden absolut durchgefroren am Gipfel. Nur 5 m Abstieg auf die Südseite reichen um bei Windstille in der Sonne zu sitzen!!!

Am Gipfel ist’s windstill !!!
Piz Badile Südwandabstieg

Der Abstieg ist weniger fordernd, als wir es eigentlich erwartet haben, da man sowieso große Teile davon an guten Abseilstellen abseilen kann. Nach 2 Stunden sind wir am Wandfuß auf der Südseite des Piz Badile. Nach kurzem Hin und Her entscheiden wir uns, doch die gute halbe Stunde zur Gianetti Hütte abzusteigen, erst mal was zu essen und dann doch den restlichen Nachmittag dort auszuruhen und nicht gleich den 5-Stunden Rückmarsch über den Passo Porcellizzo und Passo Trubinasca zur Sasc Furä Hütte anzutreten. Der Nachmittag zieht sich allerdings lange hin, v.a. weil wir auch noch bis spät abends warten müssen, wo wir eigentlich (ohne Reservierung!) auf der Hütte schlafen dürfen.

Schließlich brechen wir am Sonntag dann um 6:00 Uhr auf und bringen die beiden Pässe, die aufgrund der bockharten Schneefelder doch Bergschuhe und evtl. auch Steigeisen (bei uns ging’s grad so ohne!) erfordern, hinter uns, um die letzten verbleiben den Franken wieder auf der Sasc Furä in Radler, Tee und Kuchen zu investieren. Eine gute halbe Stunde Abstieg zu Auto noch und wir treten die Heimreise im Auto so gegen Mittag an

Querung vom Passo Porcellizzo zum Passo Trubinasca

Summa summarum schon eine wirklich schöne Linie, aber wir konnten sie aufgrund d

Abstieg von Passo Porcellizzo

es morgendlichen Andrangs und Wettrennens und v.a. auch wegen der Kälte und des Winds nicht wirklich geniessen. Ausserdem erschien uns im Nachhinein der zeitliche Aufwand von Freitag Morgen bis Sonntag Abend für eine Tour (auch wenn’s offiziell 27 Seillängen über 1200 Klettermeter und 800 Höhenmeter sind) doch ziemlich hoch. Aber irgendwie zufrieden waren wir danach doch.

Mal schauen, ob die Cassin-Route am Piz Badile, der Nordwestpfeiler am Piz Cengalo, oder das Bügeleisen an den Pizzi Gemelli (die sind übrigens „Im extremen Fels“) andere Eindrücke hinterlassen.

Danke Stefan für die große Tour!!!

 

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