Plattendirettissima im Wilden Kaiser

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Eigentlich war der Plan von Tobias und Martin, am 7. August für einige Tage in die Dolomiten zu fahren, aber eine mal wieder aufziehende Kaltfront hätte den Spaß auf nur zwei Tage reduziert. Also wollten wir nicht so viele Kilometer runterreißen, sondern die kurze Zeit lieber kletternd verbringen. Was liegt da näher als die 24 Seillängen der Plattendirettissima an der Kleinen Halt im Wilden Kaiser.

Kleine Halt Nordwestwand von der Querung zum Einstieg aus gesehen

Mit den MTBs, die man zwar über einige Stufen ins Kaisertal hochtragen muss (und deren Benutzung ja eigentlich da oben gar nicht erlaubt ist!), ging’s dann am 7. August Nachmittags in einer knappen Stunde zum Hans-Berger-Haus. Da gibt’s mittlerweile auch gratis WLAN, denn der Handyempfang ist extrem schlecht bzw. nicht vorhanden. Nach einer traumhaft ruhigen Nacht im fast leeren Bergsteigerlager machen wir uns nach wirklich guten Frühstück, das die Wirtin extra für uns hergerichtet hat um 5 Uhr auf. Nach knapp einer Stunde Zustieg stehen wir am Wandfuß dieser echt beeindruckenden Plattenflucht mit vielen, überhängenden Dachriegeln durchzogen ist. Die ersten beiden Seillängen gehen wir noch seilfrei, dann kommen die nagelneuen Seile von Tobias raus. Die mit Klebehaken versehenen Stände sind meistens gut zu finden und an den wichtigen Stellen gibt’s auch Klebehaken. Trotzdem ist immer wieder einiges an Orientierungssinn gefragt und wir verhauen uns zweimal kurz, was wir aber immer mit wenig Zeitverlust wieder korrigieren können. Es ist unglaublich wie die Route die Schwachstellen der Dachriegel nutzt, um im maximal 5-ten Schwierigkeitsgrad nach oben zu kommen.

In der 17. Seillänge beim Ausstieg aus dem zweiten Hufeisen

Die Temperatur war auch perfekt uns lies uns die ganze Zeit angenehm im Schatten im T-shirt klettern. Am Ende sind wir in ca. 6 Stunden und 20 Minuten am Ausstieg, mach kurz am Gipfel Rast und sind in gut 1.5 Stunden schon wieder am Hans-Berger-Haus, wo wir von der Wirtin für unsere Gesamtzeit sogar richtig gelobt werden.

Dann geht’s extrem entspannt mit dem MTB in 30 Minuten wieder hinunter zum Parkplatz und wir fahren gleich noch rüber zur Griessner Alm, wo wir den Tag drauf noch was machen wollen.

Für Martin geht ein Traum aus Studentenzeiten in Erfüllung, diese Route endlich mal zu klettern, … bei perfekten Bedingungen und perfektem Kletterpartner!!!

Leider regnet es dann die kommenden Nacht ziemlich viel, sodaß wir unseren Plan, die Dülfer-Führe an der Fleischbank Ostwand zu machen, gegen die Wirtskante an der Vorderen Karlspitze eintauschen. Da kommt man schnell und sicher wieder per Abseilen runter, wenn’s doch schon früher schlechtes Wetter wird und falls die Sonne rauskommt, ist sie auch gleich wieder trocken. Perfekt! Na ja, nur daß man von der Griessner Alm erst mal über 1000Hm über’s Ellmauer Tor und dann wieder gut 200Hm ins Kübelkar absteigen muss. Egal, so mach‘ mer’s. Tobias steigt die schweren Seillängen (trotz Griffausbruch an einer Stelle!) souverän vor. Und am Ende wird’s doch nochmal ein richtig sonniger Tag mit viel Zu- und Abstiegstraining für nur 6 Seillänngen Klettern.

Letzte, plattige 6+ Seillänge der Wirtskante

 

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