Blassengrat

Eingetragen bei: Klettertouren | 0

Am Freitag, 25.08., ist es endlich so weit, der Blassengrat im Wetterstein ist das Ziel von Stefan, Uwe und Martin. Wir treffen uns pünktlich zur letzten Bergfahrt mit der Kreuzeck-Bahn in Garmisch, um auf dem Kreuzeck-Haus zu übernachten. Die Wirtin ist recht nett und bietet uns zumindest Lunch-Pakete und Tee in der Thermoskanne am Vorabend an, denn Frühstück gibt’s da eigentlich nur ab 7:30 in Buffet-Form. Der Wirt ist aber ein ziemlicher „gewöhnungsbedürftiger Zeitgenosse“, um’s mal vornehm auszudrücken.

Wir brechen um 5:45 von der Hütte auf, was Stefan im wahrsten Sinne des Wortes durch wildes Erbrechen zum Glück schon außerhalb der Hütte eindrucksvoll bestätigt. Nachdem Stefan schon am Vorabend mit dem Wirt nicht viel Glück hatte (Frage von Stefan: „Habt’s no an Kuchen als Nachspeis?“ Antwort Hüttenwirt: „Für Di ned!“), hat er sich anscheinend auch noch den Magen verdorben. Seiner Einschätzung nach, lag’s daran, dass er mittlerweile so abstinent lebt, dass ihn das eine Radler und dann sogar noch ein echtes Bier hinterher niedergestreckt haben müssen. Das führte leider dazu, dass Stefan kurz vor dem Aufstieg zum Bernadeinkopf aussteigt, weil es ihm wirklich nicht gut geht.

Wir tauschen also noch etwas Material aus, Stefan haut sich zum Schlafen nochmal ein paar Stunden ins Gebüsch und Uwe und Martin gehen über den Bernadeinkopt und Stuibensee über den Ostgrat in ca. 2,5 Stunden auf den Hohen Gaif.

Im ersten Teil des Grats
Im ersten Teil des Grats
So geht's dann weiter
So geht’s dann weiter

Nach kurzer Rast und geht’s dann um 8:25 los mit dem Blassengrat und dem Abstieg in die erste Scharte, ab der gleich die Schlüsselstelle auf uns wartet. Das kurze Abseilstück mit Spreizschritt zum nächsten Aufschwung ist gleich gemacht und so geht’s dann über längere Zeit immer wieder auf und ab, im II.-III. Gelände, mal mit Sichern von Ständen, mal am gleitenden Seil, mal ohne Seil. Obwohl die Wegfindung eigentlich nie ein Problem ist, sind wir uns nicht ganz sicher, wann wir denn nun wirklich auf der Blassenspitze sind. Erst als wir nach ca. 3 Stunden wirklich drauf sind und noch ein Stück vor uns den „FingerähnlilchenTurm“ am Notabstieg sehen, ist es klar! Uwe läßt wie so oft entlang der Tour der Gedanke nicht los: „… und das im Winter!“. Nach der letzten, ausgesetzten und teilweise etwas brüchigen Abkletteraktion zum Notabstieg wird’s wirklich deutlich einfacher und wir steigen über den mal breiter und mal schärfer werdenden Grat quasi „im flow“ weiter hinauf, denn jetzt kommen erst die Höhenmeter! Wie in der Beschreibung angegeben erreichen wir dann über den Grat, „der kein Ende nehmen will“ nach knapp 4,5

Am scharfen, gekrümmten Gratstück nach der Blassenspitze.
Am scharfen, gekrümmten Gratstück nach der Blassenspitze.

Stunden Gratkletterei den Hochblassen. Da das Wetter aber nicht ganz so sicher aussieht, machen wir uns nach 15 Minuten auch schon auf den Abstieg, der tatsächlich (wie in vielen Berichten angegeben) nicht zu unterschätzen ist. Im Prinzip geht die Gratkletterei einfach weiter und wieder muss in Scharten abgeklettert und an teilweise ausgesetzten Stellen gequert werden. Nur das man zur Orientierung immer wieder Eisenhalterungen eines alten Klettersteigs zu Hilfe hat, die einen schließlich über eine steile Schotterrinne mit Fixseil auf den Jubiläumsgrat führen. Nach ca. einer Stunde ab Hochblassen-Gipfel stehen wir an der Grießkar-Scharte und Ersparen uns den Aufstieg zur Alpspitze, die an dem Tag unserer Meinung nach mal wieder zu gut besucht war. Wir waren im Gegensatz dazu den ganzen Tag komplett allein auf dem Blassengrat unterwegs. Wir rauschen also das Grießkar hinunter und gehen in nochmal gut . 1,5 Stunden über den Bernadeinkopf zurück bis zur Kreuzeck-Bahn.

Dort nach knapp 10 Stunden doch etwas ausgedörrt angekommen, entscheiden wir uns etwas wiederwillig unseren Flüssigkeitsverlust bei unserem netten Hüttenwirt auszugleichen, in der Hoffnung nicht auch noch Stefan’s Schicksal zu erleiden. Dann schweben wir gemütlich hinab und treffen Stefan schon wieder ganz gut erholt am Parkplatz. Aber trotzdem wirklich schade, daß er leider nicht dabei war.

Der Blick zurück zum Hohen Gaif.
Der Blick zurück zum Hohen Gaif.
Zufrieden am Hochblassen-Gipfel.
Zufrieden am Hochblassen-Gipfel.

Insgesamt ist der Blassengrat also eine wirklich grandiose Tour, die sich dann doch hinzieht. Aber so schlecht waren wir wohl doch nicht, denn nach einigem Nachlesen diverser Bericht im Internet, gibt es wohl immer wieder Hubschrauber-Einsätze, die die Leute ausfliegen, oder Leute, die sich über den langen Abstieg ins Tal beschweren, weil sie die letzte Bahn doch nicht mehr bekommen! Und Uwe, zum Thema: „… und das im Winter!“, kann Dich beruhigen. Dazu liest man im Internet oft von ein bis zwei Biwaks!!! Und als geführte Tour gibt’s die sowieso nur im Sommer, wobei das billigste Angebot bei 520 € pro Person lag!!! Da freut sich der Schwabe und sagt: “ Mol wiedr guade dausnd Euro g’schbart!“

Hinterlasse einen Kommentar