Rubihorn Nordwand – Ruby Thuesday

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06.03.18 – Martin K. und Uwe

 

Leichte Spindrifts in der Route
„Götterquergang“

Als mir Martin Ende Februar stolz ein Bild seiner neuen Cassin X-dream schickte, war klar wir müssen unbedingt nochmal auf Tour! Schnell war ein Zeitslot gefunden nur leider spielte das Wetter, wie immer wenn man lange im Voraus plant, nicht mit. Eine knapp zwei wöchige Wärmeperiode hatte an den Eisfällen in den niederen Lagen der Ostalpen schon deutlich Spuren hinterlassen. Was tun wenn man nicht ewig fahren oder zusteigen will? Na klar, eine Allgäuer Nordwand! Frozen turf, Schneewühlen, Drytooling und mit viel Glück auch Eiskontakt machen die „neuen“ Allgäuer Mixedrouten zu einer Erfahrung der ganz besonderen Art. Man muss es mögen, ich mags! Scheinbar mit viel Begeisterung gelang es mir Martin davon zu überzeugen gemeinsam ein schon lange gehegtes Projekt anzugehen, die Ruby Thuesday am Rubihorn. Nach einiger Recherche war klar, die Bedingungen sind nicht optimal, sollten aber durchaus eine Begehung zulassen. Der Vorteil der Rubihorn Nordwandrouten ist, dass man nicht zwingend auf Eis angewiesen ist, es reicht wenn der Berg halbwegs zusammengefroren ist und nicht mit Steinen wirft.

So trafen wir uns Montagabend auf dem Parkplatz zur Gaisalpe in Reichenbach. Nach einer kurzen Nacht im Auto stapften wir um 6h los in Richtung Nordwand. Der Zustieg ist angenehm kurz und der Weg zur Nordwand war gut gespurt. Sogar in die Ruby Thusday führte eine Spur, was die Routenfindung erheblich erleichtern sollte. Um 7:30h starten wir in die Route. Die erste Seillänge überraschte mit erstaunlich viel Eis, ich konnte sogar eine (die einzige in der Route) Eisschraube drehen. Die ersten drei Längen liefen wunderbar.

4.SL M6 Verschneidung

Die erste Schlüsselstelle ist die vierte Länge mit einer athletischen M6 Verschneidung die mit einem kniffligen Austiegs-Mantle aufwartet. Die Route war dank der noch erkennbaren Spur unserer Vorgänger recht gut zu finden. Was jedoch aufgrund des vielen Schnee und Eis teilweise unauffindbar war, waren die der Erstbegeher gesetzten Bohrhaken. Diese sind jedoch gerade schwierig zu versicherndem Rubihorngestein oftmals eine willkommene Erleichterung.

9.SL M6 Rampe

Zum Glück war auch die zweite Schlüssellänge, eine plattige M6 Rampe in der 9.SL, hervorragend abgesichert und alle Bolts auffindbar. Fast alle. Denn völlig euphorisch im Kletterwahn verpasste ich nach der Rampe die in der Topo beschriebene „Querung nach links zu Stand“ und fand mich 10m höher in einer brüchigen unversicherbaren Verschneidung wieder. Abklettern war keine Option, Martin hörte ich auch nicht mehr also was tun? In einem kleinen Riss konnte ich zunächst meine Eisgeräte platzieren. Etwas tiefer verschwand ein 0,25er Friend und nebendran ließ sich eine kleine Schuppe mittels Würgeknoten abbinden. Alles zusammen bildete für die gegebenen Möglichkeiten einen recht passablen Standplatz. Nach recht langem Gefummel und Gesuche sicherte ich Martin eng nach damit im Falle eines Abgangs der Fangstoß so gering wie möglich werden würde. Nach ein paar Minuten stand er fluchend 10m unter mir, denn der Seilzug machte ihm das Plattengeschleiche und Bergen der Exen natürlich maximal schwierig. Er sah natürlich sofort dass ich mich verstiegen hatte und fand auch recht schnell den richtigen Standplatz. An einer Knotenschlinge die ich in einem kleinen Riss legen konnte seilte ich mich ab zu Martin. Diese Aktion hatte viel Zeit gekostet.

Abseilen nach Verhauer

Kurz darauf standen wir vor der 11.SL (M4/A0, 6 Haken) der eigentliche Ausstieg aus der Route. Der Verlauf der Route war hier nicht wirklich zu erkennen, auch Haken sah ich aufgrund Schnee und Eis keine. Ein paar Sicherungsmöglichkeiten meinte ich zu sehen… schauen wir mal. Die ersten 5m hoch, weiter über eine Wulst kletterte ich die erste vermeindliche Sicherungsmöglichkeit an. Fehlanzeige. Also weiter. 10m über dem Stand konnte ich einen kleinen Friend zur Beruhigung setzen. Jedoch war das Ausstiegsdach mit der markanten Querung noch 15m über mir. Ohne Sicherungsmöglichkeit wird selbst aus einer harmlos klingenden M4 Länge ziemlich schnell eine mentale Freak Show. Nachdem ich irgendwann auch meine „Nähmaschine“ im Griff hatte ging es ruhig, besonnen und langsam weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich den ersten Haken der A0 Stelle klippen, mein Erleichterungsseufzer ließ sich nicht überhören… Stand an einer Latsche, Martin nachholen und dann sollten wir fast auf dem Gipfel sein.

Dieser war allerdings aufgrund immer wieder aufziehenden Nebels noch nicht zu sehen. Also stapften wir in teilweise hüfttiefem Schnee teilweise gesichert an Latschen durch das Gipfelschneefeld hinauf. Schnell kamen wir nicht voran. Aufgrund der Schneemenge mieden wir das direkte Schneefeld und versuchten auf den Ostgrat hinaus zu queren. Nach weiteren 1,5h standen wir gegen 17h auf dem Gipfel. Der Verhauer und die Wühlerei hatten viel Zeit gekostet. Kurzes Foto und über den Normalweg abwärts.

„He Martin, ist dir aufgefallen das heute Dienstag ist?“
„Ja, wieso?“
„Naja, wie waren gerade in der Ruby Thuesday!“
„Hrm, na nur gut dass wir nicht in der Horny Ruby waren!“
Danke Martin für die Begehung dieser phantastischen Route 🙂
„Ruby Tuesday“, Rubihorn-Nordwand, 70°, M6, A0,

http://mdettling.blogspot.de/2013/12/rubihorn-ruby-tuesday-m6-mit-sturz-nach.html
https://forum.rocksports.de/printthread.php?tid=109

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