Wildspitze Südostgrat

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Martin und Stefan, 15.08.2019

Hätte nicht besser laufen können, durften wir um 11:40 Uhr Mittags am Parkplatz in Vent feststellen. Dabei war nicht die lange Anfahrt gemeint, sondern die wirklich schöne Tour von der Breslauer Hütte über den Wildspitz Südostgrat und den Nordostgrat über den Rofenkarferner wieder zurück ins Tal.

Ursprünglich hatten wir ja eine Klettertour geplant, was der Wetterbericht leider nicht zuließ: „Ab mittags Schauer und geringe Gewittergefahr“. Es musste also eine Alternative her, auf die Beide Lust hatten und sich auch mit eingeschränktem Zeitfenster realisieren lies. Nach einigem ideenlosem hin und her, ist mir schließlich die Tour aus dem Buch „Himmelsleitern“ von Ralf Gantzhorn eingefallen. Das Argument, dass man bei einer Hochtour ohnehin mittags schon wieder im Abstieg sein sollte und man auch leichter Regenkleidung mitnehmen kann als in einer „Longline“, überzeugten Martin dann auch. So starteten wir pünktlich um 16:00 Uhr in München los Richtung Ötztaler Alpen um leicht gehetzt um 20:00 Uhr den Aufstieg zur Breslauer Hütte zu beginnen. In den „Schnell – Schnell“ Modus verfallen begann Martin auch den Aufstieg und ich ließ mich dazu verleiten hinterher zu hetzten… wie es halt so ist wenn es gut läuft, konnte dann keiner nachgeben und so waren wir bereits um 21:15 auf der Hütte. Abendessen gab es trotzdem nicht mehr für uns, aber damit hatten wir ja gerechnet und genügend mitgeschleppt. Dennoch waren wir etwas enttäuscht festzustellen, dass selbst in so klassischen Bergsteigerdörfern/Bergsteigerhütten keine einheimischen Hüttenwirte mehr anzutreffen sind, sondern nur noch Personal „aus aller Welt“ mit nicht erkennbarem Bezug zu den Bergen. Infos zu den Touren, Fehlanzeige, naja wenigstens a Radler gabs noch für uns.

Am nächsten Tag um 6:00 Uhr starten wir mit den anderen Wildspitze Bergsteigen los. Der Südostgrad beginnt gleich hinter Hütte mit dem frisch markierten Weg auf den Urkundkolm. Ab dann kann man sich eigentlich nicht mehr versteigen, immer dem Grat/Rücken entlang auf den Ötztaler Urkund hoch, welcher kurz vor dem Gipfel in schöne Gratkletterei im festen Fels übergeht. Zum Teil schön luftig aber nicht schwerer als III- und falls notwendig auch an genügend Bohrhaken abzusichern. Wäre auch als schöne Übungstour für einen Hochtourenkurs geeignet. Nach dem Gipfelkreuz des Ötztaler Urkunds überschreitet man kurz einen schneebedeckten Rücken des Rofenkarferners und kommt direkt unter den Südpfeiler des Wildspitzgipfels. Dieser schaut nicht nur aus der Ferne extrem brüchig aus, er ist es auch 😉

Dankenswerterweise ist die Kletterei jedoch leicht und das Gelände nicht so steil, so dass es mehr ein Steigen als ein Klettern ist und man den Bruch etwas „umgehen“ kann. Wir hatten mit den Bedingungen Glück, der Fels war trocken, der Boden aber dank der kalten Temperaturen noch gefroren. Da wir alles seilfrei kletterten waren wir wieder recht flott und bereits um 8:20 Uhr am Gipfel, wo wir bei noch bestem Wetter ausgiebig Brotzeit machte. Das Beste dabei, wir waren fast alleine, nur ein Pärchen war schon vor uns da und überließ uns bald uns den Gipfel.

Der Abstieg über den Nordostgrat folgt immer der Abbruchkante hinab zum Rofenkarferner und war mindestens genauso fordernd wie der Aufstieg. Zwischen dem südlichen Hauptgipfel und dem nördlichen Gipfel der Wildspitze ist der Grat wirklich schmal und exponiert nach dem Gipfel wird er sehr steil (ca. 50°) und führt überwechtet hinab zum Rofenkarferner. Hier ist sicheres gehen, in unserem Fall auch rückwärts abklettern gefragt, da der Gletscher nahezu blank war.

Bei Queren des Gletschers zurück zur Breslauer Hütte gibt es noch etwas Steinschlag aus den ausgeaperten Felswänden im oberen Teil des Gletschers. Es ist erschreckend, wie schnell sich die Gletscher mittlerweile zurückziehen und die Ötztaler Alpen anfangen, über 3000m zu zerbröckeln.

 

In Summe ist die Tour durchaus mit einem Stüdlgrat oder einem Hintergrat zu vergleichen und nur unwesentlich leichter, dafür aber vermutlich deutlich einsamer, weil er meiner Meinung nach wenig bekannt ist.

viele Grüße,

Stefan

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