„Wetterkante“ – Wetterspitze Südwestpfeiler (21SL, UIAA 5)

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Martin und Stefan, 22.08.2019

Wettervorhersage brauchbar, Frau und Kinder gut drauf bzw. unterwegs, Chef im Urlaub, also nix wie los!

So entschieden wir uns kurzerhand nochmal eine „Longline“ anzugehen. Diesmal sollte es jedoch etwas schneller zu erreichen sein, da wir am Vortag erst am Abend nach der Arbeit los starteten. Das Ziel, die „Wetterkante“ SW Pfeiler der Wetterspitze im Zugspitzmassiv.

Das Wetter machte es bis zum Schluss spannend, als wir um 21 Uhr von Garmisch nach Ehrwald fuhren, ging nochmal ein kräftiger Regenschauer nieder und verunsicherte uns schon nochmal gewaltig, ob denn am nächsten Tag wirklich, wie prognostiziert, stabiles Wetter sein wird. Ein Abbrechen oder Umdrehen wäre in dem Gelände wohl kaum möglich oder sinnvoll und 21 Seillängen bzw. knapp 1000 Hm Kletterei bei Nässe sind auch kein Spaß. Entsprechend schlaflos, nervös, unruhig gestaltete sich die Nacht im Auto. Am nächsten Morgen war die Luft aber tatsächlich recht klar und es zeigten sich sogar ein paar Sterne zwischen den restlichen Wolkenfetzen. Wir starteten um 5 Uhr vom Parkplatz der Ehrwalder Almbahn los und erreichten bei Sonnenaufgang die Wildtierfütterungsstelle. Ab hier geht es weglos durch den steilen Bergwald hinauf zum Wandfuß, man findet immer wieder Wegspuren, waren uns aber bis zum Schluss nicht sicher ob wir wirklich auf den richtigen Weg sind. Erst als wir um kurz nach 7 Uhr am Beginn der Schrofen ankamen, erkannten wir den Steinmann, welcher den Einstieg markiert. Die Wegfindung wurde ab hier jedoch nicht klarer. Es geht immer in leichter Kletterei in nicht wirklich festem Gestein (naja oder besser gesagt, den Bruchhaufen) nach oben, doch den Einstiegsbohrhaken hatten wir dann mit Hilfe der vielen Wandfotos aus dem Internet recht zielsicher gefunden. Schon erstaunlich, wenn man sich die riesige Wand anschaut und dann dort im weglosen Gelände tatsächlich den einen einzelnen Bohrhaken findet …

Auch wenn das Wetter und die Stimmung gut waren, das alpine und anspruchsvolle Gelände kostet Zeit und Energie. Um 8:00 Uhr startete ich noch motiviert in die erste Seillänge. Ab der 9. Seillänge (nach dem Kamin) kam dann die Sonne um die Ecke und brachte nochmal neuen Schwung, aber spätestens ab der 12 Länge als es klettertechnisch wieder schwieriger wurde, waren wir schon etwas genervt vom Gelände. Der Bruch, das alpine Gelände mit unklarer Wegfindung und der nicht konsequent durchgezogenen Standplatzgestaltung verhinderten ein rasches Vorankommen. Es wollte bei mir zumindest nicht wirklich ein „Flow“ aufkommen. Im unteren Teil fand man noch 2 Bohr-/ Klebehaken an den Ständen in der oberen Hälfte jedoch manchmal gar keinen, manchmal nur einen. Auch wenn das Topo von Adi Stocker richtig/brauchbar ist, so ist schlicht aufgrund der Wandgröße und der vielen möglichen Linien die Orientierung schwierig. In der oberen Hälfte sind wir auch über den Einen oder Anderen Stand hinweggeklettert, weil wir ihn nicht als solchen erkannt hatten, bzw. hofften dass gleich ein besserer kommt. Letztlich zwang einem die Seilreibung dann zeitaufwändig im Bruch einen Zwischenstand zubauen, was Zeit und Nerven gekostet hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach ca. 6 Stunden Kletterei erreichten wir schließlich den Ausstieg auf den Grat. Der Abseilstand befindet sich links ums Eck nach dem Ausstiegskamin (Topo falsch) und besteht aus 3 Normalhaken mit einer Menge alter Schlingen. Irgendwie inkonsequent die Sanierung der Tour, unten noch lehrbuchmäßige Stände mit je einem Klebe- und Schwerlastanker und zum Schluss Dolomitenfeeling mit 60m Abseilen an 3 Normalhaken… wirkt als wäre das Material ausgegangen. An dieser Stelle noch der Hinweis für Wiederholungstäter, zum Abseilen/ Absteigen bracht man wirklich das 60m Doppelseil. Es gibt zwar einen Zwischenstand nach 30m, jedoch nur zwei Schlaghaken mit fraglicher Qualität, weil Sie dem Steinschlag ausgesetzt sind.

In Summe war es eine sehr imposante, anspruchsvolle und alpine Linie durch eine beeindruckende Wandflucht. Ob die Attribute „schön“ oder „empfehlenswert“ auch zutreffen, hängt aber stark vom Betrachter ab 😉 Trotzdem, uns hat‘s schon daugt.

Grüße, Stefan

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