Um 00.30 Uhr an der Bucht von Alcudia… (oder: Family & klettern auf Mallorca – Teil I)

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…strecke ich meine Füße auf halbem Weg zwischen der Maccia bewachsenen Düne und dem Meer in den Sand und lausche andächtig der sanften und regelmäßigen Brandung. Kein Mensch weit und breit. Um meine Knöchel säuselt eine laue Brise und hin & wieder ölt ein Schluck kühles Franziskaner meine Kehle. Fast ein Moment für die Ewigkeit. Ohne Lichtverseuchung lehne ich mich zurück und blicke in einen abartig klaren Sternenhimmel. Nur links und rechts von mir leuchten in ca. 5 km Entfernung die Lichter von Can Picafort und Port`d Alcudia herüber. Dazu grüßt freundschaftlich der Leuchtturm von Punta sa Vinya (der Wendepunkt meiner 22km-Laufeinheiten) in regelmäßigen Abständen.

In dieser Stimmung lasse ich Tag 4 unseres Malle-Trips Revue passieren:

gemütlich aufstehen – Semmeln holen und ausgiebigst mit der Family im Garten unserer geilen Hütte (sprich Ferienhaus) frühstücken – ab in den Pool und der Sonnenbrandgefahr tapfer trotzen – rumliegen, lesen, mit den Kiddies blödeln – Mittagessen fällt aus (wir sind noch zu voll) – irgendwann dann mal Kaffee & Süßes, sowie der Plan nachmittags klettern zu gehen. Wir fahren nach Betlem ans Südostende der Bucht. Sehr idyllisch, was für`s Auge. Schließlich soll die Family auch was davon haben. Zustieg zum Fels von „El Calo de Betlem“ mit Kiddies 30 statt 15 Minuten. Schöner Weg über türkisfarbenem Meer und einsamen Buchten. Schon geil. Es klettert niemand.

"Zustieg" zum Gebiet El Calo de Betlem
"Zustieg" zum Gebiet El Calo de Betlem

Ich suche nach den zwo 5er-Routen zum Warmwerden. Ach ja: die Andrea ist seit der Geburt „unserer Großen“ (2005) nicht mehr geklettert und hat seit dem folglich auch nicht mehr gesichert. Hier wär`s nicht schlecht, nochmal ein paar Sachen zu erklären. Zudem sollten wir irgendwie auch die Kiddies im Auge behalten, die Steilküste fällt 50 Meter schroff ins Meer ab. Wie zur Bestätigung streiten sie gerade und schubsen sich gegenseitig. Hmmm.

Ich hab mir die 5er-Routen angesehen. Der Wandfuss: nicht gerade kinderfreundlich. Links und rechts: brüchiges Zeugs… wenn da was runter kommt. Hmmm, keine Helme dabei. Gut, dann halt kein 5er, es muss ohne Aufwärmen gehen.

Schließlich die Kiddies direkt am Weg, weil flach, schön auf der Picknick-Decke platziert. Um sie so halbwegs unter Kontrolle haben, kommt fast nur noch eine Route in Frage: „Es Pasto“ (wohl aufgrund der Zeichnung auch: „The Dog Walker“) unmittelbar links der Felszeichnungen. Und die sieht mal richtig steil & geil aus. Viele (Zwo-)Finger-Löcher. Die mag ich ja nicht so. Was sagt der Führer? Na ja, der sagt 6b+. Ach ja, sichern sollte ich ja nochmal erklären. Ob das ne gute Idee ist mit der Route? Die Andrea schaut schon skeptisch. Was solls – hoffentlich machen die Kiddies keinen Blödsinn.

Also: Finger pro forma für die Löcher ein bisschen „warm geschüttelt“ und gedehnt, sichern nochmal erklärt und auch am gut erreichbaren ersten Haken ausprobiert (rein fallen – ablassen – Bremshand bleibt am Seil!).

Es geht los. Der zweite Haken… drin. Gut, auf zum Dritten. Der wäre schon wichtig. Ein Grounder vor den Kiddies… suboptimal. Mist, Griff ist scheiße. Ich zitter ganz schön rum. Haarig. Andrea, nicht ziehen! Unten die Kiddies am Streiten. Hoffentlich nicht am Abgrund. Ich kann nicht schauen. Yep, der Seitgriff ist gut und den 3. Haken geklippt – durchatmen. Mir läuft die Soße runter und mir entweicht ein unwirscher Blärrer an den Wandfuss und geistesblitzmäßig kommt mir die Idee meine Sichererin zu loben: hey – gut gemacht! Nur noch ein paar heikle Züge. O Mann (äh Frau), nicht schon wieder ziehen! Nochmal Schnaufen – an ner Leiste ziehen und Hüfte rüber – nächster Haken. Es wird flacher und leichter. Ein 5 Zentner Block klingt nach eingehendem Geklopfe nicht so Vertrauen erweckend. Den lasse ich wohl lieber in Anbetracht der mit mir verwandten Personen am Wandfuss rechts liegen. Lieber schwerer links rum bis zum rostigen Umlenker. Jetzt nur noch ablassen. Klappt.

El Calo de Betlem, Route "es posta" 6b+
El Calo de Betlem, Route "es posta" 6b+

Hehe, wie cool! Geht doch. Der verdiente Schluck Wasser entfällt, die Kiddies haben die Flache unabsichtlich umgekippt. Schließlich merke ich an den Fingern, dass Warmmachen doch ganz gut gewesen wäre.

Der Führer sagt: die Route gehört zu den TOP 50 der Insel. Stimmt. Trotz meiner relativen Unentspanntheit ob der ungewohnten Begleitumstände war sie richtig nett zu klettern! Malle – ist geil!

Abends spachteln wir tüchtig auf der Terrasse unseres Domizils. Salat mit Putenbruststreifen, danach noch Erdbeeren mit Eis. Ziemlich k.o. kriechen alle in die Betten. Nur ich geh noch kurz die 150 Meter in Begleitung eines Franziskaners runter zum Strand…

…Fortsetzung folgt!

Andy & die Mädels.

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